Argentinien – bis ans Ende der Welt

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So gut wie auf dem Flug von Johannesburg nach Sao Paulo haben wir noch nie im Flugzeug geschlafen. Als wir aufwachten waren es plötzlich nur noch zwei Stunden Flugzeit von ehemals zehn! Von Sao Paulo sind wir dann nach zwei Stunden Aufenthalt weiter nach Buenos Aires geflogen, wo es dann gerade Mittag war und wir somit noch den halben Tag zur Verfügung hatten. Bevor es aber weiter zur Unterkunft ging, mussten wir erst einmal Bargeld besorgen, doch leichter gesagt als getan: Die drei Geldautomaten, die es am Flughafen gibt waren alle leer, weshalb wir unsere Taxifahrt mit unseren ‘Notfall-Dollars’ bezahlen mussten. Der Fahrer nutzte das natürlich aus und so zahlten wir sage und schreibe zehn Dollar für ein paar Minuten Fahrt, auf der er sich auch noch verfahren hat, ob mit Absicht oder aus Versehen sei mal dahingestellt. Unser ganzes Gepäck stellten wir schnell in der Unterkunft ab und begaben uns dann wieder auf das Abenteuer Geldsuche. Nach einem weiteren leeren Automaten fanden wir glücklicherweise einen der uns Geldscheine ausspuckte, aber natürlich nicht ohne acht Euro Gebühr dafür zu verlangen. Was solls, wir hatten Hunger und Durst und wollten uns endlich was zu Essen kaufen. An Pizza oder dergleichen war nicht zu denken da viel zu teuer, doch wir fanden schließlich eine bezahlbare Bäckerei.

In Argentinien erlebten wir Wirtschaftsunterricht hautnah. Die Preise, die wir aus Blogs oder Reiseführern von letztem Jahr kannten hatten sich inzwischen verdoppelt, Essen ist unfassbar teuer, im Supermarkt und erst recht in Restaurants. Vorallem den Einheimischen macht die Inflation natürlich schwer zu schaffen. Den 500 Pesos Schein gibt es übrigens erst seit einem Jahr, man hat ihn eingeführt, weil der bis dahin größte, der 100 Pesos Schein, nichts mehr wert ist. 100 Pesos sind derzeit ca. 6€, man kann es sich also vorstellen mit was für dicken Geldbündeln die Menschen in den Supermarkt gehen und wie die Kassierer mit zählen beschäftigt sind.

Gesättigt kehrten wir schließlich in die Unterkunft zurück und legten uns kurz hin, mit dem Plan, am späten Nachmittag mit Recoleta noch ein weiteres Stadtviertel anzuschauen. So stellten wir zwar einen Wecker, aber wachten doch erst einige Stunden später wieder auf, den geplanten Besuch im Regierungsviertel hatten wir somit verschlafen :).  Früh am nächsten Morgen ging der Flieger in den Süden nach Ushuaia, mit Zwischenstopp in El Calafate. Der Flughafen in Ushuaia ist einzigartig, winzig klein und total kuschelig! Von da teilten wir uns ein Taxi mit Paolo, der hier aufgewachsen ist und jetzt in Amsterdam als Grafikdesigner arbeitet. Mit ihm verbrachten wir noch den Abend in der Stadt und erfuhren so einiges über das Leben hier.

Der Ort wird auch als das Ende der Welt bezeichnet und daran erinnert er tatsächlich. Alles ist irgendwie kuschelig, die Menschen sind ganz entspannt und alles ist sehr sehr teuer, weil es erstmal hierher gebracht werden muss. Schaut man sich auf der Karte an wo man gerade ist, wirkt es noch ein wenig surrealer.

Aufgrund der südlichen Lage wird es erst gegen elf Uhr dunkel und um fünf ist es bereits wieder hell, deshalb zogen wir um zehn Uhr abends nochmal los um einen Nachtisch aufzutreiben. Am Ende aßen wir tatsächlich Eis. Es war zwar ziemlich kalt aber schließlich ist ja Sommer! Die Einheimischen kann man übrigens ganz leicht von den Touristen unterscheiden, die sind leicht gekleidet, wie im Sommer eben, während die Touristen dick eingepackt die Straße entlang laufen :D.

Am nächsten Morgen packten wir unsere Campingausrüstung zusammen, kauften noch etwas zu Essen und machten uns dann auf den Weg in den Nationalpark Tierra del Fuego, Feuerland. Der Bus dahin war so absurd teuer, dass wir uns eine Alternative suchten… Wir stapften aus der Stadt hinaus, die sich plötzlich doch in die Länge zog und strecken dann den Daumen raus. Am Anfang waren wir noch etwas schüchtern, weshalb es auch nicht so recht funktionierte. So liefen wir eben ein großes Stück, es waren wahrscheinlich etwa 12 Kilometer, bis ein Paar erbarmen hatte und uns bis ans Gate fuhr. Von dort nahmen uns zwei Frauen nochmal sechs Kilometer zum Besucherzentrum mit. Inzwischen war es ungefähr sechs Uhr, die Sonne stand noch hoch am Himmel und es würde noch lange nicht dunkel sein, weshalb wir noch eine Weile bei schönstem Wetter an den Lagunen entlang spazierten. (Das auf dem Titelbild ist übrigens Fabi, mit Janikas Rucksack! Nicht dass es da zu Verwirrung kommt 🙂 )

Schließlich erreichten wir den Campingplatz, es gab nichts außer ein Toilettenhäuschen, aber er lag sehr idyllisch direkt am See. Dort schlugen wir unser Zelt auf und kochten Tortellini und Frühstückseier im selben Wasser, die wir dann im See abschreckten und genossen das wilde Campen, bis eine riesige Schar Kinder die Ruhe störte. Es war eine Schulklasse, die ihre Zelte nicht weit von unserem entfernt aufbaute. Wir dachten wir spinnen. Als die Kinder um zehn dann immer noch direkt um unser Zelt herum rannten, platzte uns der Kragen und wir beschwerten uns bei den Betreuern. Von da an rannten sie wenigstens nicht mehr direkt ums Zelt.

Am nächsten Morgen standen wir früh auf als die Kinder noch schliefen, frühstückten in aller Ruhe und hatten alles zusammen gepackt als der Regen einsetzte. Jetzt war die Landschaft hier grau und düster und nur noch halb so schön wie am Vortag. Nun hatten wir nicht mehr so viel Lust einen sechs Kilometer langen Küstenweg abzulaufen und streckten wieder den Daumen raus. Wir hatten Glück und schon das zweite Auto hielt an, es waren Eltern, die ihr Kind vom Schulausflug abholten – welch Ironie. Von ihnen wurden wir tatsächlich bis vor die Hosteltür gefahren! Am darauffolgenden Morgen schleppten wir unser Gepäck zum Busbahnhof und fuhren ins Chilenische Punta Arenas. Für die Fahrt hatten wir die letzten beiden Tickets ergattert, worüber wir sehr froh sind, denn in Ushuaia festzusitzen ist bekanntlich teuer. Punta Arenas diente nur als Zwischenstation, um die sonst viel zu lange Fahrt nach Puerto Natales zu unterbrechen. Viel zu tun gibt es dort nicht, man kann lediglich eine Pinguin Tour machen, aber so nah wie in Kapstadt wären wir nicht an sie heran gekommen, deshalb haben wir uns dagegen entschieden. Wir schauten uns aber den angeblich schönsten Friedhof Südamerikas an, ein wirklich eigenartig schöner Friedhof. Viele Gräber sind ganze Häuschen und dazwischen zieren akkurat geschnittene Sträucher die Gänge.

Danach kauften wir noch in der Steuerfreien Zona Franca ein wenig Ausrüstung für den bald bevorstehenden Trip in den Torres del Paine. Am Abend fuhren wir dann die verbleibende Strecke weiter nach Puerto Natales, wo wir in der bisher schlimmsten Unterkunft die Nacht verbrachten. Es war quasi ein Hostel mitten in einer Familie. Im Haus waren Dorms und Doppelzimmer verteilt, das Wohnzimmer war die Rezeption und Küche und Bad teilte man sich mit der Familie. In unserem Zimmer stand ein unbenutzter, versiffter Kühlschrank, ausrangierte Suppenkellen und Pfannenwender hingen an der Wand. Die Bettdecken waren sehr sehr eklig, doch das schlimmste war der Geruch. Das Bettzeug roch so stark nach süßem Kaugummi, dass schon das ganze Zimmer den Gestank angenommen hatte. Im Bett konnte man deshalb kaum atmen, es wurde zum Glück besser als wir unsere Handtücher übers Kissen legten. Um unser Zimmer zu heizen musste der Herr erst ein Feuer im Gasofen machen, wir schalteten ihn vor dem Schlafen wieder aus, denn das war uns nicht geheuer. Zum Zähne putzen mussten wir erst warten bis die Kinder im Bad fertig waren und dort lagen dann Dreckwäsche, alte Zahnbürsten, Rasierer, Haargel… herum. Es war eben ein bewohntes Bad und dazu noch ein eklig bewohntes. Von der Küche fangen wir gar nicht erst an und auch der Garten war auch die reinste Müllhalde. Dafür bezahlten wir auch noch fast 40€! Eigentlich ist es ein wenig gemein, schließlich leben die Menschen hier eben so, aber wenn man dafür so viel Geld verlangt, sollte es für Touristen schon anders aussehen. Finden wir zumindest.Am nächsten morgen suchten wir sofort das Weite und zogen um in eine andere Unterkunft. Dann begannen wir damit den Torres del Paine Aufenthalt zu organisieren. Seit zwei Monaten müssen alle Camps vorreserviert werden, bisher war das nicht so. Deshalb ist jetzt ein mitteldramatisches Chaos zwischen uns Reisenden ausgebrochen, denn die Plätze sind zu wenig für alle, die in den Park wollen. Wir hatten schon die Befürchtung gar nicht hinein zu können, womit ein Traum geplatzt wäre. Doch wir organisierten die geplante Tour um und hatten letztendlich eine wunderschöne Zeit, aber dazu mehr im nächsten Beitrag…

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