Argentinien – donnernder Gletscher und marmorierte Höhlen

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Es hört sich an wie das laute Donnern eines Gewitters welches direkt über einem ist, wenn sich ein Eisbrocken vom Gletscher knirschend löst und ins Wasser fällt. Gefolgt von Wasserfontänen und einer Flut an Wellen. Hört man den Donner und schaut dann in die vermutete Richtung, ist es jedoch schon zu spät, man sieht nur noch tosendes Wasser. Der Perito Moreno Gletscher bei El Calafate gilt als einer der beeindruckendsten Gletscher der Welt und so war es für uns klar, den etwa 80 km weiten Umweg auf uns zu nehmen und uns von seiner Eindrücklichkeit selbst zu überzeugen ;-).

Da wir in El Calafate ohnehin noch einiges zu erledigen hatten, entschieden wir uns erst am Mittag den Bus zum Gletscher zu nehmen, denn je später man losgeht, desto weniger sei dort dann auch los, so sagt man. Nach rund einstündiger Fahrt erreichten wir endlich den Perito Moreno Gletscher und hatten von da an gute 4 Stunden Zeit, um ihn uns anzuschauen. Dabei gelangt man über verschiedene Holzwege verhältnismäßig nahe an den Gletscher heran – und ist doch noch so weit von ihm entfernt. Denn immer wenn ein Stück vom Gletscher abbricht, hört man das laute Getöse erst wenige Sekunden nachdem es bereits im Wasser liegt, denn der Schall muss immer erst noch eine ordentliche Entfernung zurücklegen. Die nächsten Stunden verbrachten wir also damit, uns den Gletscher von verschiedenen Perspektiven aus anzuschauen und dabei immer gespannt zu hoffen, dass ein möglichst großes Stück herunterbricht. Und tatsächlich sind in den wenigen Stunden mehrere Male riesige Stücke heruntergefallen, so dass der Gletschersee bald voller Eisbrocken war. Das Knirschen und Donnern des Gletschers war jedes Mal aufs Neue sehr beeindruckend.

Was den Perito Moreno Gletscher darüberhinaus auch noch einzigartig macht ist die Tatsache, dass er einer der wenigen Gletscher der Welt ist, die noch immer wachsen und nicht an Größe abnehmen. Die Ursache dieses Phänomens ist bis heute noch nicht endgültig geklärt, für uns ist er aber auf jeden Fall einer der bisherigen Highlights Patagoniens und mit Abstand der außergewöhnlichste Gletscher. Besonders die zerklüftete Struktur fanden wir sehr faszinierend.

Am Abend ging es mit dem Bus wieder zum Hostal zurück und auch gleich ins Bett, denn am nächsten Tag stand bereits die Weiterreise nach El Chaltén auf dem Programm. El Chaltén ist ein kleines Dorf, mitten im argentinischen Nationalpark Los Glaciares (zu dem auch der Perito Moreno Gletscher gehört), das eigens für Touristen und Wanderer des Fitz Roy Bergmassives angelegt wurde. Fast jedes Haus dort ist ein Hostal oder Hotel und dementsprechend sind dort auch fast nur Touristen anzutreffen. Mit unserer Ankunft in El Chaltén brachten wir auch den Regen mit, welcher uns die nächsten zwei Tage erhalten bleiben sollte. Somit standen für uns erholsame und stressfreie Tage in unserem sehr gemütlichen Hostal an, die wir mit literweise heißer Schokolade, gutem Essen und wackeligem Satelliten-Internet auf dem Sofa verbrachten, immer mit dem Blick am Fenster, ob sich das Wetter nicht wider erwarten schneller bessern sollte. Das tat es dann auch endlich am letzten Tag, an welchem wir am Abend bereits die Weiterfahrt in den Norden nach Los Antiguos gebucht hatten. Also konnten wir noch den ganzen Tag damit verbringen, zum Fitz Roy zu laufen und ein letztes Mal die patagonische Wildnis zu genießen.

Theorie und Wirklichkeit:)

Das Wetter war während der gesamten Wanderung weitestgehend wechselhaft und die Wege wegen des schlechten Wetters der letzten Tage heillos überlaufen. Nach einigen Stunden Wanderung sollte man den Fitz Roy bereits sehen, doch alles was wir an Bergen und Gipfeln hätten sehen können, war in ein einheitliches Grau gehüllt. Nur manchmal löste sich die Wolkenschicht und wir erhielten einen Blick auf zumindest einen Teil der Berge. Dennoch beendeten wir unsere Wanderung früher als gedacht und ohne den Fitz Roy gesehen zu haben, aber somit konnten wir noch ein paar Stunden in unserem gemütlichen Hostal verbringen, bis am Abend der Bus nach Los Antiguos fuhr.


Dies war unsere erste Nachfahrt mit dem Bus und dann ging es die meiste Zeit auch noch über Schotterstraßen – an erholsamen Schlaf war also nicht zu denken. Nichtsdestotrotz sind wir doch relativ erholt nach zwölf Stunden am nächsten Morgen an unserem Ziel angekommen. Wobei Los Antiguos noch nicht unser endgültiges Ziel des Tages war, denn davor galt es noch eine kurze Strecke ins 10km entfernte chilenischen Chile Chico zu überwinden. Es könnte so einfach sein, ist es aber nicht. Die Antwort auf unsere Frage am Busterminal wie wir da hin kommen können war “you can walk.” Ach nee, was du nicht sagst. Doch das musste auch anders gehen, laufen konnten wir die Strecke nie mit unserem ganzen Gepäck. Letztendlich nahmen wir ein Taxi bis zur Argentinischen Grenze. Mittlerweile waren wir auch nicht mehr zu zweit, sondern zu viert unterwegs: am Busbahnhof hatten wir zufällig Lukas und Yardena wieder getroffen, unsere Bekannten aus dem Torres del Paine. Mit den beiden sollten wir die nächsten Tage und Weihnachten zusammen verbringen, doch dazu später mehr. Vom Argentinischen Grenzposten mussten angeblich zwei Kilometer zu Fuß bis zum Chilenischen Posten zurückgelegt werden, es waren bestimmt mehr als zwei, denn wir brauchten mehr als eine Stunde dafür, was mit gefühlten 50 Kilo auf dem Rücken ganz schön lange ist. Dort endlich angekommen, konnte oder wollte uns natürlich niemand ein Taxi rufen, denn es waren weitere 7km bis in die Stadt. Also fragten wir kurzerhand einen Mann mit großem Auto, ob er uns nicht mitnehmen könnte. Netterweise stopfte er uns und unsere Rucksäcke hinein und brachte uns endlich nach Chile Chico. (Er wollte dort ein lila Fahrrad für seine Tochter zu Weihnachten kaufen:-)). Von dort wollten wir weiter nach Río Tranquilo, um uns dort die Marmorhöhlen anzusehen. Der teure Bus dorthin fuhr erst wieder am nächsten Morgen und deshalb beschlossen wir unser Glück per Anhalter zu versuchen. Doch bereits nach zwei Stunden gaben wir auf, es fuhr einfach niemand aus diesem Kaff heraus in Richtung Río Tranquilo. Die Nacht verbrachten wir dann in einem schönen Doppelzimmer, das uns die Campingplatz-Besitzerin netterweise angeboten hat, weil eine Tischtennisplatte, die eigentlich bombenfest an einem Baum lehnte, vom Wind auf unser Zelt geweht wurde. Dieses müssen wir jetzt irgendwo reparieren lassen, was hoffentlich noch möglich ist…

Die Marmorhöhlen in Río Tranquilo lagen noch eine 4 stündige Busfahrt von Chile Chico aus entfernt, welche wir dann am nächsten Morgen mit dem Bus in Angriff nahmen, per Anhalter hatte es ja nicht geklappt. Dort angekommen mussten wir uns erst einmal eine Unterkunft für die kommende Nacht organisieren und nachdem das geschafft war, hieß es Ausschau halten nach guten Angeboten für eine Bootstour in die Marmorhöhlen, für die wir extra hergekommen waren. Da sich am Nachmittag der Wind etwas gelegt hatte, konnten wir gleich ein Boot organisieren, welches wir uns mit 4 anderen Leuten teilten. Wir erwartenden eine entspannte Bootsfahrt zu den Marmorhöhlen, denn das Wetter hatte sich eigentlich beruhigt und die Sonne kam heraus, doch weit gefehlt… bereits nach wenigen Minuten türmten sich meterhohe Wellen auf, wie ich sie noch nie in meinem Leben auf einem See gesehen hatte. Das kleine Boot wurde hin-und hergerissen und kam dabei in bedrohliche Schieflagen, um im nächsten Moment wieder metertief auf das Wasser zu knallen. So ging die Fahrt etwa eine halbe Stunde lang und trotz meiner vielen Bootsausfahrten beim Tauchen wurde mir dieses Mal auch etwas mulmig zumute. Irgendwie schafften wir es über die aufgewühlte See und dann offenbarten sich uns endlich die wunderschönen, vom Wasser ausgewaschenen Höhlen.

Erkennt ihr den Hund?:-D

Hier sieht man wie klein die Boote waren

Dadurch, dass mittlerweile auch die Sonne schien, erschienen die Marmorhöhlen in einem außergewöhnlich schönen Licht, in dem man viele verschiedenen Strukturen erkennen konnte. In manche Höhlen konnte man sogar etwas hineinfahren, so dass man von ihnen komplett umgeben war. Nach ungefähr einer Stunde hieß es wieder über die noch rauer gewordene See zurückfahren zum Ausgangshafen. Erneut fühlten wir uns wie in einer Nussschale im Wellenbad. Dort heilfroh angekommen gingen wir gemeinsam zum Campingplatz, kochten noch etwas und gingen erleichtert schlafen. Da es in dieser Gegend sonst anderweitig nicht viel zu sehen gibt, fuhren wir am nächsten Morgen ins 4 Stunden entfernte Coyhaique, der ersten größeren Stadt nach Punta Arenas. Nun stand unmittelbar Weihnachten vor der Tür und wir entschieden uns, gemeinsam mit den Schweizern ein kleines Cabaña zu mieten und dort mit gutem Essen unser erstes Weihnachten in der Ferne zu feiern.

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