Chile – atemberaubende Aussichten in der Atacama

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Schon auf dem Flug von Santiago in den Norden nach Antofagasta hatte Fabi einen kleinen Schwächeanfall, auf der Toilette ist er umgekippt, er war kreidebleich. Nachdem er schnell wieder Farbe ins Gesicht bekam, ging es ihm auch bald schon wieder besser. Vielleicht war es die schrecklich kurze Nacht, in der wir quasi kaum geschlafen haben… wer weiß. Von Antofagasta fuhren wir dann sofort mit dem nächsten Bus drei Stunden nach Calama, in Richtung San Pedro de Atacama. Inzwischen ging es mir immer schlechter, ich war total schwach, es war wohl auch die nicht vorhandene Nacht. In Calama organisierten wir den nächsten Bus, indem wir die Straße entlang liefen und die verschiedene Anbieter abklapperten. Es waren nochmal eineinhalb Stunden bis ans Ziel. Doch dieser Weg war für uns absolut der Beste. Alternativ hätten wir von Santiago aus über 26 Stunden mit dem Bus fahren müssen, so nur 2 Stunden Flug und 5 Stunden Bus :-).

In San Pedro angekommen, war es gar nicht so knalleheiß wie wir es erwartet hatten. Nur die Sonne war stark, das merkte man sofort. Zuerst schleppten wir unsere Rucksäcke durch die Gassen, auf der Suche nach einem Geldautomaten. Wir hatten absolut kein Geld mehr, zwei Deutsche aus dem Flugzeug hatten uns schon Geld leihen müssen :-). Dann nahmen wir ein überteuertes Taxi in unsere Unterkunft, die ganz am Rand des kleinen Städtchen lag. Dort fingen wir erstmal eine Diskussion mit dem Mann an der Rezeption an. Er wollte unbedingt dass wir in Dollar zahlen, was für uns wiederum viel zu teuer ist. Erstmal müssen wir Pesos für 6€ am Automaten hohlen und diese dann zu einem total schlechten Kurs in Dollar wechseln lassen. Er hat allenernstes verlangt dass wir nochmal in die Stadt fahren und unsere Pesos wechseln lassen. Kann er doch selber machen! Dann willigte er ein dass wir in Pesos zahlen können, aber der Kurs den er uns anbot, war richtig unverschämt. Dabei hatten wir über booking gebucht und in der Buchungsbestätigung steht eindeutig “Sie bezahlen in der Unterkunft zum Tagesaktuellen Wechselkurs in der Landeswährung”. Da ging es uns einfach ums Prinzip. Es kann doch nicht jeder seinen eigenen Wechselkurs festlegen und damit jede Menge Geld machen. Letztendlich haben wir tatsächlich in Pesos zum aktuellen Kurs bezahlt und waren ganz happy einen Sieg eingefahren zu haben. Den restlichen Tag und auch am folgenden unternahmen wir nichts. Wir versteckten uns in den Schatten und warteten darauf, dass mein Kopfweh und Schwindel und übermäßiges Schwachsein endlich besser wurde. Inzwischen war klar, dass es nicht nur die eine schlaflose Nacht sein konnte. Die Höhe konnte es eigentlich auch nicht sein, denn wir waren erst auf 2600 Metern. Mir wurde trotzdem Angst und Bange wenn ich an die bevorstehende Salar de Uyuni Tour dachte, die auf knapp 5000 Meter hoch gehen würde.

Als mein Kopfweh schließlich ein wenig besser wurde, schnappten wir uns die Fahrräder und fuhren ins Valle de la Muerte, das Tal des Todes. Der Name klingt vielleicht nicht sonderlich vielversprechend, aber die Landschaft war schlichtweg atemberaubend. Um uns herum türmten sich Felsen in kreativen Formationen, dazwischen perfekt geschwungene Dünen, der Himmel war strahlend blau und mit aufgemalten Wolken geschmückt, die Sonne knallte senkrecht herab, sodass es kein einziges Schattenplätzchen gab. Es hat uns riesen Spaß gemacht mit dem Fahrrad durch diesen ruhigen, selten schönen Ort zu fahren, wir fühlten uns frei und wild.

Gegen Ende kamen wir nur noch schiebend vorwärts, denn der Weg bestand nur noch aus tiefem Sand. Also legten wir die Räder an den Wegesrand und liefen mit unseren Flip Flops durch den beinahe glühenden Sand bis auf einen kleinen Berg, von wo man das ganze Tal überblicken konnte. Immer im Sichtfeld war dabei der größte Vulkan der Gegend, der da so schön geschwungen am Horizont steht, jedoch aber zu Argentinien gehört.

Auch ein Besuch des Valle de la Luna, Mondtal, gehört zum Pflichtprogramm in San Pedro. Es gibt jeden Abend die Sonnenuntergangs-Touren dort hin, doch wir nahmen lieber die Schrott-Fahrräder aus der Unterkunft und radelten die 16km. Aber immer schön langsam. Wir merkten beide die Höhe, in der alles gleich viel anstrengender ist. Wir kletterten durch Höhlen, in denen die langsam eintreffenden Reisegruppen den Weg verstopften, kletterten auf Berge und genossen die Aussicht. Sengende Hitze und die dünne Luft ließen uns keine andere Wahl, als die Fahrräder immer häufiger zu schieben und nur noch aufzusteigen, wenn es den Berg hinunter ging :-).

Für den Sonnenuntergang verließen wir den Ort wo alle Gruppen waren und fuhren noch ein Stück weiter. Nach kurzer Fahrt mit zwischenzeitlichem Schieben gelangten wir zu einem kleinen Parkplatz, an dem sich keine Massen mehr tummelten, sondern nur noch wenige Menschen anzutreffen waren. Gemeinsam kletterten wir die Dünen uns Felsen hinauf, bis sich jeder sein eigenes, privates Plätzchen gesucht hatte. Wenige Minuten später ging es dann auch schon los: als die Sonne hinter den Berggipfeln verschwand, hüllte sie den Horizont und alle Wolken am Himmel in ein atemberaubendes Orange, mit roten und lila Tönen. Die bizarren Felsformationen sahen in diesem Licht noch surrealer aus. Sofort erinnerten wir uns an die Polarlichter in Island, so mystisch sah der Himmel mit den vielen Farben aus.

Da uns noch ein Nachhauseweg von etwa 18km bevorstand, beschlossen wir recht bald wieder den Berg zu verlassen, um noch bei etwas Tageslicht die ersten Kilometer zu radeln. Als die Letzten beim Parkplatz angekommen, sahen wir dort noch einen Pick-Up der Parkbehörde stehen. Kurzerhand fragten wir, ob er uns nicht zufällig mitnehmen will – und tatsächlich. Die Fahrräder hinten verstaut, wir sprangen hinterher und los ging die Fahrt. Wie froh wir über die Mitnahme sein konnten, wurde uns im Laufe der Fahrt klar, denn es war noch ein weiter weiter Weg bis zum Ausgang und zur Hauptstraße nach San Pedro. Die Fahrt hinten auf dem Pick-Up genossen wir sichtlich, war es doch schon immer ein Traum von uns. Insbesondere die Landschaft und der Sonnenuntergang ließen dabei keine Wünsche offen :-).
Nachdem wir am Parkausgang abgesetzt wurden, radelten wir die letzten Kilometer auf geteerter Straße wieder zurück nach San Pedro und haben uns dabei selten so auf eine Dusche und das Bett gefreut.

Wir hatten uns die ganze Zeit über gefragt, wie wir uns wohl am Besten auf die geplante Salar de Uyuni Tour vorbereiten können. Unser Tourenanbieter hatte natürlich die passende Antwort: noch eine Tour davor machen, die ebenfalls ins Hochland führt. Natürlich. Was uns zuerst wie ein billiger Verkaufstrick vorkam, leuchtete uns zunehmend ein. Wenn wir den Körper kurz vor der Tour mit beachtlichen 4800m konfrontieren, hat er mehr Zeit, sich diesen Höhen anzupassen. Gesagt – gebucht. Die “Akklimatisierungstour” sollte uns an diesem Tag ins chilenische Altiplano führen, mit Abstechern zu anderen Highlights wie der Salar de Atacama und kleinen Bergdörfern. Pünktlich wurden wir um 7.00 Uhr vor unserer Unterkunft abgeholt und nach freundlicher Begrüßung des Guides (der zum Glück super langsames und deutliches Spanisch sprach) fuhren wir mit den anderen ins chilenische Altiplano. An der ersten Lagune angekommen, gab es leckeres Frühstück und die dazugehörige Aussicht konnte sich auch sehen lassen.

Unser Guide versuchte mit uns auf Deutsch ins Gespräch zu kommen, denn durch die vielen deutschen Touristen beherrscht er bereits ein beachtliches Vokabular und er war stets bemüht, noch mehr von uns zu lernen:). Da wir natürlich immer die Letzten waren, die wieder in den kleinen Bus stiegen, musste der arme Guide uns jedes mal extra rufen. Hörten wir plötzlich ein deutsches “Auf geht’s”, wussten wir dass wir gemeint waren. Nach dem Frühstück ging es zu weiteren Lagunen, vorbei an Guanakos, die den Weg säumten.

Gut getarnt:)

Die Höhe bereitete uns hier auf dieser Tour keine großen Problemen, weshalb wir immer zuversichtlicher wurden, ob unserer großen Salar de Uyuni Tour. Gegen Mittag besuchten wir die bereits erwähnten Bergdörfer, in denen die Menschen noch sehr sehr simpel leben. Zum Beispiel wird hier auch Quinoa angebaut. Was bei uns eher als eine “Modeerscheinung” gilt, stellt für die Bewohner der Andendörfer die wichtigste Nahrungsquelle dar und es war sehr interessant zu erfahren, wie die Bewohner hier diese Pflanze anbauen und verarbeiten.

So sieht Quinoa aus!

Dennoch haben wir hier in Südamerika (insbesondere weil wir inzwischen in Bolivien sind) das Gefühl, dass das ganze gesunde Essen, das hier angebaut wird, zu uns nach Europa exportiert wird und sich die Menschen hier nur noch von ungesunden Coca-Cola und Nestlé Produkten ernähren. Chile ist beispielsweise ein großer Kiwi Exporteur, doch kann man dort nirgends Kiwi kaufen. Hier in Bolivien säumen kleine Läden und Stände die Straßen, wo man nur süße Getränke, Bonbons, Milchpulver und bunt eingepackte Süßigkeiten kaufen kann. Und das Quinoa fürs Müsli im Supermarkt ist mindestens so teuer wie in Deutschland. Das nur so am Rande. Die Welt ist schon verkehrt.

Zum Abschluss unserer Tour ging es noch in die eher kleinere Salar de Atacama, die einzige Salzwüste Chiles. In den kleinen Lagunen tummelten sich unzählige Flamingos, die in dieser lebensfeindlichen Gegend nach Nährstoffen im Wasser suchen. Übrigens kommt die rosa Farbe der Flamingos von kleinen Wasserorganismen. Finden sie mal nicht so viel von ihrer Hauptnahrungsquelle, verblasst die Farbe. So nah wie in diesen Lagunen kommt man Flamingos sonst nie, da sie sehr scheu oder gleich zu weit weg sind.

Endloses Salz….

Da Fabi seine Sonnenbrille in der Unterkunft vergessen hatte, konnte er die reflektierende Wirkung von Sonne auf Salz wunderbar erleben. Abgesehen davon, dass man hier uneingecremt vermutlich nach wenigen Minuten knallrot wäre, konnte er seine Augen kaum offen halten und war vermutlich froh, nach einer halben Stunde wieder im Auto zu sitzen. Zum Abschluss führte uns die Tour noch in ein weiteres Hochland-Dorf.

In San Pedro angekommen überlegten wir, ob wir noch mehr Touren machen sollten, denn die Landschaften im Hochland hatten es uns gewaltig angetan. Doch da die große Tour eben solche Landschaften zu genüge beinhaltet (nur noch spektakulärer) entschieden wir uns, den nächsten Tag zum Vorbereiten und Entspannen zu nutzen, um am Freitag den 13. unsere große Salar de Uyuni Tour zu starten, auf die wir uns seit Jahren freuten.

Doch davor hieß es noch Kontakte pflegen, denn Juliane aus dem Torres del Paine kam just in San Pedro an, als wir gerade noch da waren. Nachdem sie völlig zurecht uns ihr Hostel wärmstens empfohlen hat, zogen wir für die letzte Nacht von unserer Unterkunft außerhalb direkt in die Stadt, wo wir alle Besorgungen erledigen konnten. Nach einem schönen Abend und netten Gesprächen verabschiedeten wir uns ins Bett, denn am nächsten Morgen stand die große 3 Tages-Tour an, ins bolivianische Altiplano und in die größte Salzwüste der Welt, die Salar de Uyuni…

3 thoughts on “Chile – atemberaubende Aussichten in der Atacama”

    1. Dankeschön!! 🙂 wir sitzen gerade in Bali und planen ein bisschen Neuseeland und schauen uns jetzt gleich mal die Dokumentation an!:) vielen Dank dafür! Hier sind wir mit einem weiteren großen Menschheits-Problem in Berührung gekommen, es ist hier nämlich unfassbar dreckig. Die Menschen sind total überfordert mit all dem Müll (den die Touristen mitverschulden) und vergraben, verbrennen oder werfen ihn ins Meer. Bei einer Schnorchel Tour sind wir total erschrocken von all dem Müll um uns herum! Aber gut wenn uns das Reisen und das Sehen der Probleme zum Denken (Umdenken) bewegt!

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