Chile – Patagonien von seiner schönsten Seite

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Torres del Paine – ein Inbegriff für unfassbar schöne und wilde Natur. Ein Inbegriff für Patagonien und ein Grund weshalb die Menschen in den tiefen Süden Südamerikas reisen. Dutzende Reiseblogs mit detaillierten Routenbeschreibungen und etlichen atemberaubenden Fotos hatten wir angeschaut, dementsprechend hoch waren unsere Erwartungen. Aufgrund einer eingestürzten Brücke und den ausgebuchten Camps konnten wir die eigentlich geplante Route nicht laufen, aber das was wir trotzdem sehen konnten war in der Tat atemberaubend.

In Puerto Natales, dem Ausgangspunkt zum Park, haben wir einen kompletten Tag damit verbracht, zwischen den drei Campbetreibern, die in der ganzen Stadt verteilt sind, hin und her zu rennen, die letzten verfügbaren Plätze ausfindig zu machen und uns daraus eine Route zusammen zu basteln. Zwischendurch regten wir uns über das bescheuerte System auf (später im Park von einer jungen Dame als “affiger Scheiß” treffend betitelt) und überhaupt darüber wie undurchdacht das ganze Theater mit dem Vorreservieren doch ist.

Zuerst einmal muss vielleicht erklärt werden, dass es im Park im Prinzip zwei Routen gibt, das “W” und das “O”, benannt nach ihrem Verlauf. Das “W” läuft man in mindestens vier Tagen, das “O” in acht oder so, auf jeden Fall zu viel für uns. Nun braucht man natürlich Campingplätze auf dem Weg, die geschickt liegen damit die Strecken dazwischen machbar sind. Diese werden von drei verschieden Anbietern betrieben, ein staatlicher dessen Plätze kostenlos aber ohne Wasser sind und zwei private, die kostenpflichtig sind. Wir sind zuerst zum staatlichen Betreiber gegangen, der aber erst für Februar wieder freie Plätze hatte. (Im Park haben wir dann gesehen, dass die Plätze nur zur Hälfte belegt sind, da die Leute die kostenlosen Plätze reservieren und dann nicht auftauchen). Dann gingen wir zum anderen Anbieter, der in ein paar Tagen wieder freie Plätze hatte. Diese konnten wir natürlich nicht buchen, weil wir nicht wussten, ob der andere Betreiber an den Tagen davor oder danach noch freie Plätze hat. Aufgrund der Information dass das “W” im Moment wegen der eingestürzten Brücke auf unbestimmte Zeit gesperrt sei, mussten wir sowieso umplanen. Letztendlich zelteten wir zwei Tage im Pehoe Camp, außerhalb des Weges, das wieder von jemand anderem betrieben wird und wozu es nirgends Informationen gab wie man es überhaupt buchen kann. Wir sind dann einfach hin gefahren, Platz gab es glücklicherweise noch. Weitere zwei Nächte campten wir im Torres Central, das auf dem “W” liegt. Letztendlich war das für uns die Beste Art den Park zu sehen, denn alle Wanderungen konnten wir ohne Gepäck laufen und der Pehoe Platz war zudem außerordentlich schön. Wir hatten sogar einen eigenen Seezugang.


Den Ankunftstag verbrachten wir eigentlich nur im Zelt, denn es regnete andauernd und auf nass werden hatten wir nicht so Lust. Wir machten Bekanntschaft mit unserem Nachbar, dem Gürteltier, googelt das mal, es ist schon ziemlich hässlich.:) Abends klarte es dann tatsächlich noch auf und wir sahen endlich was für mega schöne Berge eigentlich um uns herum sind! Vom Platz aus sieht man sogar einen der drei Torres.

Am nächsten Morgen hetzten wir zur Katamaran Station, denn wir mussten das erste Boot bekommen um den Weg bis zum Gletscher und den letzten Katamaran zurück zu schaffen. Ein Regenbogen war auf dem Weg die ganze Zeit an unserer Seite. Auf dem Campingplatz hatte man uns gesagt, man laufe etwa eine halbe Stunde. Eine Stunde mehr und die Angabe hätte gestimmt. Zum Glück nahm uns ein deutsches Paar im Auto mit, sonst hätten wir es nicht geschafft. 40€ kostete uns das “scheiß Boot” (Zitat Fabi) pro Person um in 30 Minuten auf die andere Seeseite zu kommen. Dort wurden wir unsanft von einer heftigen Windböe empfangen, die uns fast umwehte, was uns an diesem Tag noch mehrmals widerfahren sollten. Nach einem kleinen Frühstück liefen wir los. 11 Kilometer hin und 11 wieder zurück lagen vor uns. Sieben Stunden waren dafür vorgesehen, wir hatten achteinhalb bis die Fähre zurück fuhr, die wir unbedingt erreichen mussten. Also liefen wir recht zügig den steinigen Weg den Berg hinauf.

Nach einer Stunde sind wir etwa ein Viertel des Weges gelaufen und waren schon leicht k.o. Das Wetter machte uns ein wenig verrückt, denn es wechselte alle paar Minuten von leichtem Regen zu strahlendem Sonnenschein. Wir wechselten parallel dazu unsere Kleidung, von Regencape zu leichtem Oberteil. Ab und an machten wir Halt und genossen die Sicht auf die unfassbar türkisfarbene Lagune mit Eisbergen, die den Gletscher ankündigten. Auf halber Strecke erhaschten wir dann endlich einen Blick auf den Gletscher, er sah so nah aus und war doch so fern.


Das härteste Stück folgte dann erst noch, es ging nochmal 250 Höhenmetrer hinauf, um diese direkt danach über Stock und Stein wieder hinunter zu kraxeln. Zwischendurch füllten wir unsere Flaschen in den Bächen auf, es schmeckte so gut wie früher, als wir als Kinder an Eiszapfen lutschten. Die Füße und so ziemlich der ganze Rest des Körpers tat weh, als wir endlich nach vier Stunden am Gletscher ankamen. Gelohnt hat es sich im Grunde schon, denn Gletscher sind einfach immer wieder faszinierend. Diese unglaubliche blaue Farbe. Und diese unfassbare Größe. Man sieht nur ein winziges Stück des Ganzen, das aber auch schon so groß erscheint. Nach kurzer Pause ging es dann wieder zurück, wir mussten schneller sein als auf dem Hinweg, sonst würde es knapp werden. Und mit diesem Druck im Hinterkopf sind wir dann auch dementsprechend schnell den Berg hinauf gehetzt. Ausdauersport in der Schule war da auch nichts dagegen! Aber es hat uns trotzdem Spaß gemacht! Obwohl wir uns manchmal schon fragten, wieso wir uns das eigentlich antun, wir könnten schließlich auch daheim auf dem Sofa liegen;) Life begins at the end of your comport zone, sagen wir dazu mal nur. Doch wir haben es im Grunde sehr genossen so mitten im sagenumwoben schönen, wilden Patagonien zu wandern und die Schönheit endlich mit eigenen Augen zu sehen. Der Druck mit der Fähre war natürlich stressig und wir hätten es lieber in unbestimmter Zeit gelaufen, aber es war einfach die einzige Möglichkeit so. Am Ende waren wir über eine Stunde zu früh da, wir hatten keine drei Stunden für den Rückweg gebraucht. An der Station ließen wir uns in Gras fallen und wären am liebsten liegen geblieben. Doch noch lieber wollten wir in unser Zelt. Vom Katamaran zum Campingplatz nahm uns netterweise das Paar vom Morgen wieder im Auto mit. Nochmal eineinhalb Stunden laufen hätten wir niemals gepackt. Die Beine konnten wir kaum bewegen und die Füße schmerzten.

 

 

Ganze zwölf Stunden schliefen wir in dieser Nacht (!:D), bis es von der Sonne zu heiß im Zelt wurde. Dann krabbelten wir mit Muskelkater in den kompletten Beinen heraus und frühstücken erstmal. Dies war unser “Regenerations-Tag”, an dem wir eigentlich nur den Bus vom Pehoe zum Las Torres Camp nehmen mussten.

Nicht zuletzt wegen der wunderschönen Natur hat uns der Park so gut gefallen, sondern auch wegen den wunderbaren Menschen die wir hier treffen durften. Zum einen war da ein Schweizer Paar, ein paar Jahre älter als wir, die schon im Pehoe und dann auch im Central unsere Nachbarn waren. Mit ihnen haben wir uns super verstanden! Lustigerweise machen sie nach Südamerika fast dieselbe Reise wie wir durch den Süden Afrikas, nur ein wenig ausgeweitet. Wir haben dazu natürlich gleich unsere “Insider-Tipps” ausgepackt.:) Dann trafen wir noch eine Deutsche aus Köln, die wir auch später nochmals getroffen haben.

Im Torres Camp teilten wir dann unseren mitgebrachten Kuchen und Kaffee aus dem Hostel mit den Schweizern, wofür wir von allen anderen beneidet wurden! Zum Abendessen gab es “Primavera Reis” mit Gemüse und Ei, sehr köstlich! Ja wir hatten da schon ein wenig mehr Luxus, als die anderen, die sich nur von Haferflocken mit Wasser und Nudeln mit Tunfisch ernährten. Dafür war unser Rucksack vermutlich auch schwerer.. Wir saßen den ganzen Mittag mit den Schweizern draußen und genossen es uns nicht bewegen zu müssen. Ach dieser Tag war schon sehr angenehm. Für die Nacht füllten wir uns wie immer heißes Wasser in unsere Flaschen, mit denen wir dann im Schlafsack kuschelten.

Für den nächsten Tag stand wieder Bewegung auf dem Programm, es sollte zu den berühmten Torres gehen. Zuerst mussten wir aber noch Fabis gelbe Riesen-Blase behandeln, ein Resultat der Wanderung zum Gletscher. Sein ganzer kleiner Zeh war eine einzige Blase! Von den Schweizern hat er einen Kuchen versprochen bekommen, wenn er es nach oben schafft, das war natürlich Motivation genug und er hat sich durchgebissen! Mit den Beiden haben wir den Weg bestritten und wie gesagt, es sind Schweizer, also beide sehr wanderaffin. Doch wir hielten Schritt!:) Wieder hatten wir super Wetter, bei strahlendem Sonnenschein schwitzten wir sogar ziemlich als es den Berg hinauf ging. Über Sonne in Patagonien wollen wir uns aber mal nicht beklagen! Ein kleines Päuschen gab es auf halber Strecke und dann ging es weiter durch ein Stück Wald. Immer wieder überquerten wir kleinere Flüsse und man glaubt es kaum: hier sind sogar die Flüsse milchig blau! Das sieht schon ziemlich verrückt aus. Der letzte Kilometer bis zu den Torres ist der anstrengendste, man brauch für ihn eine Dreiviertelstunde. Es geht nochmal 300 Höhenmeter hinauf (das sind 33 Prozent Steigung (!)) und der Weg besteht quasi nur noch aus losen Seinen in jeglicher Größe. Auch der Wind wurde dort oben immer stärker. Schließlich sieht es so aus als wäre man nach der nächsten Kurve am Ziel, doch es folgen nochmal zwei. Aber dann hatten wir es geschafft! Vor uns lagen die drei Torres, anfangs noch leicht in Wolken gehüllt, mit einer türkisfarbenen Lagune davor.

Das sind sie also. Die drei Torres. Es folgten obligatorische Fotos und dann saßen wir einfach da, staunten über die Größe der Türme und über die Leute die bescheuerte Selfies von sich machten. Langsam wurde es kalt und wir hatten alle Hunger. Deshalb machten wir uns an den Abstieg und kochten uns im nächsten Camp eine wohlverdiente Spargelsuppe mit Brötchen! Danach begannen wir zu rennen, Fabi wollte schließlich zu seinem versprochen Kuchen! Wir überholten sämtliche Leute und waren dabei fast so schnell wie der Wind, der Regen in unsere Richtung trieb. Natürlich waren wir geschafft, aber es machte so viel Spaß die Hänge hinab zu rennen und mit dem verbleibenden Schwung auch noch den nächsten Hügel halb mitzunehmen. Ab und zu bekamen wir zwar ein paar Tropfen ab, doch letztendlich wir waren schneller als der Regen und kamen ohne ernsthaft nass zu werden an. Den versprochenen Kuchen genossen wir dann am Abend. Die beiden hatten sogar noch Kaffe und Milch gekauft! Welch ein Schmaus!:) Bei den Nachbarn gab es mal wieder zerbrochene Spaghetti, portionsweise gekocht weil die Töpfe zu klein waren.

Ja wir hatten definitiv fünf sehr schöne Tage mit außergewöhnlich gutem Wetter. Mal abgesehen von den abartig ekelhaften Duschen und Toiletten im zweiten Camp, mangelte es uns nicht an Camping-Luxus. Es wäre aber auch schlimm gewesen, wenn es viel geregnet hätte. Wir wären niemals mehr trocken geworden und in unserem mini Zelt wäre es dann total feucht gewesen, sodass es definitiv kein Vergnügen gewesen wäre.

Zurück in Puerto Natales hatten wir wieder ein festes Dach über dem Kopf und ein warmes Bett. Eigentlich auch ganz schön… Wir veranstalteten mal wieder eine riesige Sauerei, weil das Gepäck wieder geordnet werden musste, trafen uns mit der Kölnerin auf ein Bier und fuhren am nächsten Morgen mit dem Bus nach El Chalafate…

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