Chile – Weihnachten in der Ferne

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Lange haben wir uns gefragt, wo wir dieses Jahr an Weihnachten wohl sein werden. Zumindest nicht Zuhause, das stand fest. Je näher der 24. rückte, desto präsenter wurde diese Frage. Wir wollten auf keinen Fall mit vielen Fremden im Hostel sitzen, aber auch nicht alleine in unserem Zelt sein. Das wäre schon ein wenig traurig. Dann kam uns die Idee, ein kleines Häuschen oder ein Apartment zu mieten, wir wollten eine eigene Küche haben und uns ein Weihnachtsessen kochen und es einfach gemütlich haben. Und genau so kam es dann schlussendlich auch: wir hatten herrliches Essen, einen heimeligen Bollerofen, einen kitschig blinkenden und musizierenden Weihnachtsbaum und eine Toilette, die nicht abfließen wollte :-). Und wir waren nicht alleine, sondern verbrachten die Tage mit Yardena und Luki, die beiden Schweizer aus dem Torres del Paine.

Unsere kleine Cabaña stand am Rande der kleinen Stadt Coyhaique und erfüllte ein wichtiges Kriterium der Frauen: es gab einen Ofen! Wir einigten uns erstaunlich leicht auf ein Menü für die fast drei Tage, schrieben einen zweiseitigen Einkaufszettel und machten uns dann mit drei Wägen ans Einkaufen. Zwei waren voll mit unserem Gepäck, der dritte am Ende mit köstlichen Zutaten für unser Weihnachtsmenü. Mit vier großen Rucksäcken, etlichen Taschen und den Einkäufen passten wir irgendwie ins Taxi und fuhren in unser kleines Zuhause auf Zeit. Dort richteten wir uns gemütlich ein und machten uns gleich daran, das heutige Abendessen vorzubereiten, es gab Selfmade Burger, belegt mit Mayo, Spiegelei, Salat, Gurke und Tomaten. Pommes und als Beilage grüner Salat mit Gurke und Caesar Dressing. Dazu Weißwein bzw. Bier und als Dessert musste diesmal Schokolade herhalten.

Wir saßen noch eine Weile beisammen und quatschten über die großen Fragen der Weltpolitik, bis wir dann ins Bett fielen und uns freuten, für Morgen endlich mal wieder keinen Wecker stellen zu müssen. Nach einem langen und erholsamen Schlaf machten wir uns daran, unseren Brunch vorzubereiten.

Es gab Pfannkuchen mit:
– Schinken und Käse
– Nutella
– Honig
– Nektarinen
– Orangen
– Bananen
– Zucker & Zimt

Nach einem kurzen Verdauungsschlaf machte ich mich mit Yardena daran, Plätzchen zu backen. Aus unseren eingekauften Zutaten kneteten wir einen Teig zusammen und wellten ihn mit der Weinflasche vom Vortag aus. Aus einem Teil des Teigs schnitzten wir mit dem Messer “Ausstecherle” in Form von Sternen und Tannenbäumen. Den Großteil des Teiges bestreuten wir mit Zucker und Zimt, rollten es auf und schnitten davon Schnecken ab. Nacheinander kamen die Bleche in den Gasofen. Eine für uns ganz neue Art zu backen. Es gibt keine Temperaturangaben und die Hitze kommt nur von unten, weshalb die Plätzchen eben nur unten braun wurden. Außerdem produzierten wir noch hervorragende Schokocrossies, womit wir quasi drei verschiedene Plätzchen hatten. Anschließend backten wir noch einen “Hefezopf”. Trockenhefe gab es nur im 500g Pack, weshalb wir auf Backpulver umstiegen, aber auch das war eine Packung für ein halbes Jahr. Es klappte doch erstaunlich gut, wie wir am nächsten Morgen schmecken konnten.

In der Weihnachsbäckerei….

Allgemein scheinen die Leute hier kaum selbst zu backen. Die Vermieterin war ganz erstaunt darüber, dass wir hier gebacken hatten und wollte gleich das Rezept haben. Im Supermarkt gibt es eine Sorte an Plätzchen zu kaufen, das wars dann aber auch schon. Wahrscheinlich ist es hier einfach nicht so Brauch. Kuchen gibt es auch in den Läden zu kaufen, aber eben nur fette Sahnetorten, was mal wieder den ungesunden Lebensstil hier unterstreicht.

Aber kommen wir nun zum Weihnachtsessen. Wir hatten uns entschieden ein ganzes Huhn zu kaufen, wir tauften es auf den Namen Frida, legten sie in eine Auflaufform und balsamierten sie mit Olivenöl, Senf und Gewürzen ein, dann kam sie in den Ofen und schmorte dort für knapp zwei Stunden.

Weihnachtsmenü

Hühnchen in Senfmarinade an Zitronen-Kräuter Soße
Kartoffelgratin mit Käse überbacken
Karotten und Brokkoli & gebratenen Tomaten und Zwiebel

Grüner Salat mit Caesar Dressing und Käse

Dazu Rotwein (für Fabi mal wieder Bier) und zum Nachtisch hausgemachte Plätzchen.
Währenddessen leuchtete die ganze Zeit der kitschige Weihnachtsbaum, dessen Blinken und fürchterliche Musik wir bereits ausgestellt hatten und trotzdem war er das Einzige im Raum, das ein wenig auf Weihnachten hindeutete. Dennoch wollte bei uns allen nicht so wirklich Weihnachtsstimmung aufkommen. Dazu war es einfach zu warm, zu lange hell und allgemein wird Weihnachten hier zu kitschig gefeiert. Es ist eben nicht dasselbe wie daheim. Dennoch war es ein sehr schöner Weihnachtsabend mit zwei liebgewonnenen Menschen und stimmungsvoller Weihnachtsmusik von Amazon Prime (Danke gutes WLAN!).

Am nächsten Morgen gab es zum Frühstück den selbstgebackenen Zopf und dann stand für Fabi und mich bereits wieder das Packen auf dem Plan. Das wurde allerdings von unserer Vermieterin kurz unterbrochen als sie fragte, ob wir das Erdbeben gerade auch gespürt hätten. Wir schauten uns verdutzt an, denn niemand hatte auch nur eine Kleinigkeit bemerkt. Kurze Zeit später entdeckte Fabi bei seinem routinemäßigen Besuch von Spiegel Online etwas leicht beunruhigendes:
Ein Erdbeben der Stärke 7,7 erschütterte den Süden Chiles und für den Umkreis von 1000km wurde eine Tsunami-Warnung herausgegeben. Toll – und wir mittendrin. Besondere Bauchschmerzen bereitete uns der Flug am Nachmittag der uns nach Santiago bringen sollte, mit Zwischenstopp ganz in der Nähe des Epizentrums. Entsprechend erleichtert waren wir, als die zwischenzeitlich herausgegebene Tsunami-Warnung wieder aufgehoben wurde. Also zurück zum Tagesgeschäft und den letzten Vorbereitungen für die Weiterreise nach Santiago. Wir verabschiedeten uns schweren Herzens von unseren zwei Schweizern und für südamerikanische Verhältnisse pünktlich, holte uns das Shuttle direkt an der Unterkunft ab und wir fuhren zum etwa 60km entfernten Flughafen von Coyhaique.

Nun sitzen wir seit Tagen in dem kleinen Garten unserer Unterkunft in Santiago, genießen die Sonne und das angenehme Wetter und das süße Nichtstun. Wir haben nämlich gemerkt, dass Reisen ganz schön anstrengend sein kann. Ständig gibt es was zu organisieren, wie man von A nach B kommt, wo es eine Unterkunft gibt, was den Magen füllt und und und. In letzter Zeit waren wir jede Nach an einem anderen Ort, mussten jeden Morgen alles wieder in den Rucksack stopfen, saßen im Bus und wurden an einem neuen Ort wieder ausgeladen. Und kaum kannten wir den nächsten Supermarkt, reisten wir auch schon wieder weiter. Jetzt wollten wir einfach mal irgendwo ankommen und uns ausbreiten, ausschlafen und auch mal einen ganzen Tag lang gar nichts machen. Trotzdem haben wir einiges bezüglich der Weiterreise zu organisieren, verlorene Dinge (Sonnenbrille, Ladegeräte, Boxershort und Sonnencreme) haben wir in schrecklich überfüllten Malls wieder neu gekauft und einmal sind wir durch die halbe Stadt gefahren um bei einem uns empfohlenen Spezialisten unser Zelt reparieren zu lassen, doch er war weder Spezialist noch Reparateur und unser Zelt ist somit immer noch kaputt.

Silvester feiern wir dieses Jahr nicht so groß, uns ist nicht nach großen Menschenmassen. Dementsprechend bleiben wir lieber unter uns :-).

Wir wünschen Euch allen eine schöne Silvesternacht und schicken die besten Wünsche für ein frohes Jahr 2017 in die Heimat!

1 thought on “Chile – Weihnachten in der Ferne”

  1. Sehr heimelig hattet ihr es in eurer Cabaña.
    Und ein bombastisches Weihnachts-Festessen!

    Selbst zum vorherigen Burger-Essen war Weißwein dabei, wirklich stilvoll.
    Und dank dieses Getränkes konntet ihr sogar noch Teig für die Plätzchen auswellen. Wenn das mal nicht gepflegte und gelebte Nachhaltigkeit ist ;-))

    Nur die Grüße an Frida kommen wohl nicht mehr an …

    Eine gute Weiterreise zu den nächsten Schönheiten unseres Planeten und weiterhin gutes Durchhaltevermögen wünscht euch
    Steffen

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