Daheim nach der Weltreise

Travels

Dieser allerletzte Tag unsere Weltreise ist nun doch schon wieder eine ganze Weile her. Doch unseren Gedanken und Gefühlen haben wir schon in den ersten Tagen nach der Heimkehr zu Papier gebracht, vermutlich um ein wenig klarer im Kopf zu werden. Der Tag, an dem unser Flugzeug wieder auf deutschem Boden landete und wir unsere Familien wieder sahen, war wunderschön und schrecklich zugleich. Wir wollten lachen und weinen. Vom langen Flug total neben der Spur, nicht richtig hier und auch nicht richtig dort. Irgendwo mittendrin. Genau wie unsere Gefühle – einerseits so froh und andererseits am liebsten woanders ganz weit weg. Fremd in der Heimat und gar nicht mehr vertraut mit der deutschen Sprache; es dauerte Wochen bis wir uns wieder daran gewöhnt hatten, wieder tatsächlich in unserer allzu gewohnten Umgebung zu sein. Man nennt das wohl Kulturschock…

Zu einer Weltreise gehört (leider) beides: das abenteuerlustige Losziehen, voller Vorfreude in den Flieger steigen, gespannt auf das, was vor einem liegt und was die große, weite Welt einem zu bieten hat. Und das Zurückkommen, in den Ort, die Stadt, das Land, was man “Heimat” nennt. Doch nach einer langen Reise, ist es meist nicht mehr dasselbe. Man will nicht mehr in sein altes Leben zurück, nachdem man monatelang seinen Traum gelebt und jeden Tag neues erlebt hat. Doch zumindest bei uns war es so, dass nach wenigen Tagen der bekannte Alltag eingekehrt ist und alles war im Prinzip wie davor, nur der Kopf war sehr verwirrt. Er war nicht in der realen Gegenwart sondern irgendwo ganz weit weg, in einer Traumwelt von der wir bis vor kurzem noch ein Teil waren. Da wir vor der Reise eben nicht unsere Wohnung gekündigt und all unseren Besitz verkauft, verschenkt und entsorgt hatten und ein paar persönliche Dinge in einer Kiste im Keller der Eltern unterbrachten, sondern lediglich das Zimmer aufgeräumt hatten, holte uns das alte Leben sehr schnell ein. Für uns stand nicht ein kompletter Neuanfang und das (Wieder-)Aufbauen eines sesshaften Lebens auf dem Programm, sondern erstmal gar nichts. Wir hatten keinen Plan, keine Aufgabe für “Zuhause”. Erstmal ankommen, uns orientieren, sich mit dem Studium auseinandersetzen, bewerben und dann ab Oktober einen neuen Lebensabschnitt beginnen. Doch leider war es erst Mai als wir zurück kamen, der Sommer stand bevor und bis Oktober würde es noch eine Weile sein. Dass wir noch absolut nicht wussten, was wir den Sommer über machen würden, geschweige denn was und wo wir ab Herbst studieren werden, ja das drohte mich schon ein wenig wahnsinnig zu machen. Das Nichtstun und in den Tag hinein leben wurde uns nach spätestens drei Tagen langweilig. Doch es folgte ein neuer Tag, an dem man wieder nichts Neues gesehen und erlebt hatte und abends ins Bett ging ohne vom wandern und entdecken k.o. zu sein. Mir fehlte es so schrecklich arg, jeden Tag voller Vorfreude und Tatendrang den Tag beginnen zu können, neues zu sehen und zu erleben, meinen Traum zu leben. Es heißt nicht umsonst FernWEH. Es machte mich fast depressiv hier gefangen zu sein in meiner plötzlich ganz kleinen Welt. Ich resignierte und hatte kaum Lust mich zu bemühen, dass es vielleicht doch ein spannender Tag werden könnte. ‘Ohnmacht’ beschreibt wohl mein Gefühl ganz gut.

Manchmal sitzen wir im Garten und schauen den Flugzeugen hinterher und wünschen uns in einem von ihnen zu sitzen. Egal wohin, hauptsache wieder weg in die Ferne. Uns fehlt das Jetset-Leben und immer wieder an der Passkontrolle zu stehen, einen neuen Stempel zu bekommen, ins Land ein- oder ausreisen. Immer wieder all unser Hab und Gut in den Rucksack zu packen und weiter zu ziehen. Die Speicherkarten zu füllen, kulinarische Köstlichkeiten entdecken, die Natur bestaunen und die Luft von neuen Orten einatmen. Das haben wir geliebt.

Dennoch wollten wir nach Hause. Besonders gegen Ende sehnten wir uns nach Ruhe und einem konstanten zuhause und kamen nicht mehr so gut mit den ständig neuen Eindrücken klar. Unser Geist sehnte sich nach Ruhe um all die vielen Eindrücke zu verarbeiten. Obwohl wir immer wieder längere Zeit an Orten blieben, die uns gefielen und es auch sehr viele Tage gab an denen wir nichts taten, außer Schlafen, Essen und vielleicht noch kurz ein Spaziergang. Durch den Blog haben wir uns stets mit der Flut an Bildern auf der Speicherkarte befasst, haben Vergangenes Revue passieren lassen und es aufgearbeitet indem wir es in Worte fassten. Das war definitiv sehr hilfreich für uns! Doch wir wollten ehrlich mit uns sein und uns eingestehen, dass es jetzt fürs erste genug ist und unser nächster Flug in die Heimat gehen sollte. Das war nicht gerade einfach für uns, denn geplant hatten wir eigentlich noch vier Wochen durch Sri Lanka zu reisen. Es wäre ein weiteres Land gewesen, indem man sich viel mit den Einheimischen herumschlagen müsste, die einen teilweise übers Ohr hauen wollen. Die Infrastruktur ist nicht sonderlich kompfortabel und für eine Safari kann man eigentlich kaum einen Anbieter finden, dem der Tierschutz wirklich am Herzen liegt. Wir hatten Sehnsucht nach den Vorzügen unseres schönen Deutschlands, vermissten das eigene Bad, die eigene Küche, das Kuchen backen, das Zuhause.

Und doch waren die letzten Tage super schwer. Es wollte einfach nicht in unsere Köpfe, dass es jetzt wirklich das Ende ist. Am letzten Tag in Auckland gingen wir morgens in einem Schwimmbad duschen, fuhren beim Supermarkt vorbei und gaben dann unseren geliebten Camper zurück. Es passte seltsamerweise immer noch alles in unsere Rucksäcke. An der Schlange vor dem Check-in merkte man dann, dass es Richtung Deutschland geht. Deutsche Stimmen und Deuter Rucksäcke überall um uns herum. Dann noch ein letzter Blick über das wahnsinnig schöne Neuseeland, das wir mit sehr schwerem Herzen verließen, denn so schnell werden wir es vermutlich nicht wieder sehen. Wir verbrachten 17 Stunden im Flugzeug von Auckland nach Doha, Katar. Es ist der längste Linienflug der Welt! Entgegen unserer Befürchtungen ging er aber recht schnell vorbei. Nach ein paar Stunden am klimatisierten Flughafen mitten in der heißen Wüste stand dann nach insgesamt 18 Flügen wieder ein deutsches Ziel auf der Anzeigetafel: Frankfurt FRA.

Es flossen Tränen beim Abflug. Es war der aller letzte Flug. Dabei war es doch erst kürzlich gewesen, dass wir dieses Land verließen und loszogen die Welt zu sehen. Es war jetzt also vorbei. Während der letzten sechs Stunden im Flugzeug versuchten wir krampfhaft uns mental auf Zuhause vorzubereiten. Da das allerdings nicht so recht funktionieren wollte, versuchten wir krampfhaft zu verdrängen, dass wir schon sehr sehr bald zuhause sein würden. Es flossen auch Tränen beim Anflug auf Frankfurt. Vor dem Fenster war alles so typisch deutsch. Die Felder, die Familienhäuser mit ihren roten Dächern. Obwohl wir so viel Zeit hatten uns darauf vorzubereiten, ging es plötzlich so schnell. Wir waren wieder in Deutschland. Wir wollten hier her und doch wären wir am liebsten zum Piloten gerannt und hätte ihn gebeten das Flugzeug wieder nach oben zu ziehen und nicht zu landen. Doch es war nicht aufzuhalten. Wir setzten auf, durchliefen wie gewohnt die Kontrollen und gaben zu Guter letzt einen Euro für den Gepäckwagen am Flughafen aus. Wir zahlten mit Kreditkarte. Es ist der letzte Betrag auf unserer Kreditkartenabrechnung. 

In der Empfangshalle warteten Fabis Eltern und sein Bruder mit seiner Freundin auf uns. Die Freude war dann doch auch bei uns ganz groß:)

Am Rande von Frankfurt wurde dann ein Picknick veranstaltet, mit Laugenbrötchen und Lyoner und Kuchen und Schokolade und Sekt! 🙂


Zuhause ging es dann mit den Begrüßungen und dem leckeren Essen weiter. Es gab Maultaschen mit Kartoffelsalat!! Und noch dazu war alles so liebevoll dekoriert, inklusive Helium-Ballons in der Einfahrt, Weltkugeln mit unseren Bildern und Flaggen von all unseren bereisten Ländern! Und Fabis kleinen Neffen durften wir auch endlich wieder auf den Arm nehmen!



In den nächsten Wochen versuchten wir irgendwie wieder Fuß zu fassen. Und vor allem ich setzte mich intensiv mit dem bald anstehenden Studium auseinander und versuchte den Dschungel der unendlichen Möglichkeiten zu durchdringen.

Heute

Inzwischen ist viel passiert: Ich habe meinen Aufnahmetest für mein Traumstudium Psychologie bestanden und wohne inzwischen im wunderschönen Salzburg. Fabi studiert in Göttingen Politikwissenschaft und konnte seinen Schwerpunkt auf internationales Recht legen. Wir sind beide sehr sehr glücklich, dass sich alles so wunderbar gefügt hat! Jetzt werden wir treue Kunden der Deutschen Bahn sein und regelmäßig sechs Stunden im ICE verbringen. 🙂 Heimweh haben wir natürlich auch jetzt nicht, weshalb es erst an Weihnachten wieder zur Familie geht.

Wir sind sehr gespannt auf alles was nun vor uns liegt und freuen uns wieder neu herausgefordert zu werden! 

Natürlich haben wir noch jede Menge Fotos von Sumatra und Neuseeland, die hier noch gezeigt werden wollen und das wird hoffentlich auch bald geschehen… 🙂

 

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2 thoughts on “Daheim nach der Weltreise”

  1. Ein wunderbarer Schlusspunkt eurer großen Reise!

    Es braucht wohl diese zeitliche und räumliche Dimension des Unterwegs-Seins, um einen solchen Gefühlsmix zu erleben – wirklich sehr berührend zu lesen.
    Es ist eine große Freude, auf diese Weise daran teilhaben zu dürfen.

    Und: den Beginn des nächsten Abschnitts eurer “noch größeren” Reise habt ihr ja prima gemeistert…

    Herzlichst
    Steffen

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