Sonnenaufgang Bromo Java Indonesien

Indonesien – die Vulkane Ijen und Bromo auf Java

Indonesien

 

Der Mond steht noch hoch am Himmel, als wir ausgerüstet mit Gasmaske und Stirnlampe den etwa zweistündigen Fußmarsch zum Kraterrand des Gunung Ijen in Angriff nehmen. Es ist glücklicherweise Vollmond und ich bestreite mit einer kleinen Gruppe zusammen den Weg nach oben. Doch bis zum Sonnenaufgang ist es noch lang und so bewegen wir uns vorsichtig über loses Gestein und an steilen Abhängen entlang, immer weiter nach oben. Schemenhaft zeichnen sich am Horizont weitere Vulkane ab. In welch atemberaubender Landschaft wir uns befinden können wir zu diesem Zeitpunkt nur erahnen. Wir sind nun seit gestern Abend auf der indonesischen Insel Java, genauer gesagt in Banyuwangi, nachdem wir das grüne und wunderschöne Bali hinter uns gelassen haben. Nachdem klar wurde, dass ich den Ijen nicht selbständig besteigen werde, schloss ich mich kurzerhand einer Gruppe an, mit der ich bereits einige Stunden später die Wanderung in Angriff nahm. Janika konnte sich zu dieser zugegebenermaßen sehr anstrengenden und strapaziösen Unternehmung nicht durchringen, weshalb ich in dieser Nacht ausnahmsweise mal alleine loszog.

Der Aufstieg auf den Gunung Ijen dauert etwa zwei Stunden, die in eisiger Kälte und zu dieser Uhrzeit nur sehr langsam vorbeigehen wollen. Es ist immer noch stockfinster, als wir am Kraterrand ankommen und eine echte Enttäuschung hinnehmen müssen: aufgrund vulkanischer Aktivität und damit einhergehender erhöhter Gasbildung ist es derzeit verboten, den Vulkan zum Krater hinabzusteigen. Unterdessen können wir unten am Kratersee das Leuchten der Kopflampen der Schwefelarbeiter erkennen, die bei jeder Gefahrenlage in den Vulkan hinabsteigen um dort Schwefel abzubauen. Denn in jenem Schwefel liegt das große Geheimnis des Ijen. Durch in den Berg getriebene Metallrohre werden die Schwefeldämpfe aufgefangen, bis sie an deren Ende abkühlen, auf den Boden tropfen und schließlich erstarren. Die Schwefeldämpfe sind nun fest wie Stein und werden von den Arbeiten unter hohem Arbeitsaufwand zu Brocken geschlagen und in Körbe geladen, die nicht selten um die 100kg wiegen. Zum Teil mit Flip-Flops an den Füßen und nur einem feuchten Tuch vor dem Gesicht gegen die giftigen Schwefelgase, kommen uns die Arbeiter mit ihren Körben auf den Schultern entgegen. Beliefert werden unter anderem Zuckerfabriken, die den Schwefel zum bleichen von Zuckerrohr benötigen. Man mag sich nicht ausmalen, wie es um ihre Gesundheit in wenigen Jahren bestellt ist, doch zu lukrativ ist der Job in dieser Gegend. Obwohl sie nur wenige Euro am Tag damit verdienen, ist es häufig die einzige Möglichkeit hier überhaupt Arbeit zu finden.

Die prekären Arbeitsverhältnisse sind natürlich nicht der Grund, weshalb so viele Touristen jede Nacht diese anstrengende Tour  auf sich nehmen und den Ijen besteigen. Wenn die Schwefelgase aus dem Gestein austreten, entzünden sie sich an der Luft und verbrennen mit einer bläulichen Flamme, blaue Lava sozusagen. Tagsüber kaum zu erkennen, glühen die Flammen nachts dunkelblau, weshalb man vor Sonnenaufgang oben sein muss. Da uns aber der Weg nach unten verwehrt bleibt, müssen wir uns mit dem Blick von oben begnügen. Doch auch aus größerer Entfernung können wir die blauen Flammen erkennen und sie sehen wirklich mystisch aus.

Die Sonne geht bald auf und wir suchen uns einen schönen Platz für den Sonnenaufgang. Sobald die ersten Sonnenstrahlen die Umgebung erhellen, wird einem allmählich klar, in welch surrealer Landschaft man sich hier befindet. Der bläuliche Schwefel-Kratersee, der auch als das größte Säurefass der Welt bezeichnet wird, nimmt so langsam Gestalt an und auch die bereits erahnten Vulkane am Horizont beginnen sichtbar zu werden. Doch mit zunehmender Helligkeit nehmen auch die Schwefeldämpfe zu, bis gigantische Wolken beginnen uns einzuhüllen. Es brennt in den Lungen und man kann die Augen kaum mehr offen halten, so aggressiv ist der Schwefel. Und plötzlich wird einem klar, weshalb man zur Sicherheit immer Gasmasken bei sich trägt. Unser Atem rauscht unnatürlich laut durch die Gasmasken, aber die fauligen Schwefeldämpfe dringen trotzdem noch in unsere Lungen. Eben so vieles wirkt hier oben wie nicht von dieser Welt, gar als befände man sich auf einem anderen Planeten, der so gar nicht lebensfreundlich ist.

Nach diesem nachdenklich stimmenden Erlebnis steht für uns die Weiterfahrt nach Probolinggo an. Dort wollen wir uns das Vulkangebiet um den Gunung Bromo anschauen, einem der aktivsten Vulkane Indonesiens, der mit atemberaubenden Sonnenaufgängen und grandiosen Blicken in den brodelnden Krater aufwartet. Auf dem Weg treffen wir Cody, einen Australier, mit dem wir uns kurzerhand zusammentun, um in den nächsten Tagen das vulkanische Gebiet zu erwandern. In aller Frühe geht es wieder los, um den besten Ort für den Sonnenaufgang zu finden. Es ist noch stockfinster, was die Suche wahrlich nicht erleichtert. Nach weiteren Höhenmetern gelangen wir schließlich zu einem Aussichtspunkt, weit weg von all den Massen, die hier tagtäglich mit Jeeps hinaufgekarrt werden.

Und wieder ist der Moment des langsam hell werdens der magischste. In einer dunklen, unscheinbaren Welt gestartet, gibt die Sonne Ausblicke frei, die seinesgleichen suchen. Es offenbart sich eine wunderschöne Aussicht auf das Gebiet der Vulkane. Nur einige qualmende Vulkane lassen das tödliche Potential, welches in ihnen schlummert, erkennen. Da es auch hier aufgrund der Regenzeit am frühen Vormittag zu Regnen beginnt, entschließen wir uns wieder zum Hotel zurückzukehren und nach einem ausgiebigen Frühstück den restlichen Schlaf nachzuholen.

Am nächsten Morgen klingelt der Wecker wieder in aller Frühe, denn heute wollen wir uns den Sonnenaufgang direkt vom Kraterrand des Bromo anschauen. Wir überqueren ein riesiges Feld aus Asche und Sand, das sich nach den letzten Ausbrüchen vergangener Jahre und Jahrzehnte gebildet hatte. Nach schweißtreibenden Minuten hinauf zum Kraterrand sind wir schließlich oben angelangt und können direkt in den Krater hinabsehen. Unten brodelt und kocht es, der beißende Schwefelgeruch ist allgegenwärtig. Wir wandern einige hundert Meter den Kraterrand entlang, um von dort auf die Sonne zu warten. Langsam werden all die bizarren Formen der erstarrten Lava sichtbar, die sich an den Hängen des Vulkans gesammelt hatte. In der Ferne verbrannte Wälder.

Mit Opfergaben soll der Vulkan zufriedengestellt und am Ausbrechen gehindert werden. 😀

Die mittlerweile schon hoch am Himmel stehende Sonne ist für uns das Zeichen zum Aufbruch, denn noch heute wollen wir mit dem Zug von Probolinggo, über Surabaya, bis nach Yogyakarta fahren, der Endstation des Zuges und unseres Aufenthaltes auf Java. Doch bevor wir den Zug in Probolinggo besteigen, lernen wir im Tuk-Tuk zur Zugstation ein französisches Pärchen kennen und wie der Zufall es will, haben wir exakt dieselbe Route, inklusive dem Besuch der Orang-Utans in Bukit Lawang, Sumatra. So tun wir uns zusammen und wagen uns ein paar Tage später gemeinsam in das Abenteuer Sumatra. Doch zuvor gibt uns die etwa 10-stündige Zugfahrt nach Yogyakarta die Möglichkeit richtig durchzuatmen und Erlebtes zu rekapitulieren. Wir passieren kleine Dörfer, Kinder begrüßen den Zug wild winkend, bis er für sie immer kleiner wird und schließlich im dichten Regenwald verschwindet. Gegen Abend macht sich der Hunger bemerkbar, den wir in der zugeigenen Cafeteria mit landestypischen ‘Meat Balls’ zu stillen versuchen. Wir kommen mit einem Studenten ins Gespräch, der natürlich sehr interessiert ist, was zwei Deutsche in seinem fernen Land so erleben und ob es ihnen auch gefällt. Er erzählt uns von seinen Träumen, auch einmal nach Deutschland reisen zu können und dort zu studieren, denn dort gäbe es so viel mehr Chancen und Möglichkeiten für ihn als in Indonesien. Nach solchen Gesprächen beschleicht einen immer eine Art Demut, ob seines Privilegs reisen zu können und überhaupt in einem scheinbaren Sehnsuchtsland so vieler Menschen leben zu dürfen.

Yogyakarta gilt als die Universitätsstadt Indonesiens und dementsprechend sauberer und ruhiger geht es hier im Vergleich zu den anderen indonesischen Großstädten zu. Wir beziehen Quartier nahe den gehobenen Restaurants der Stadt und lassen es uns nicht nehmen, uns durch die französische und italienische Küche zu probieren. Besonders unsere französischen Freunde sind von der in französisch gehaltenen Speisekarte mehr als angetan. Wir buchen noch gemeinsam den Flug von Yogyakarta nach Medan auf Sumatra, um festzustellen, dass es gar nicht so einfach ist die richtige Airline dafür zu finden. Die meisten stehen auf der sogenannten ‘Black-List’ der EU, haben also erhebliche Sicherheits- und Qualitätsmängel. Mit AirAsia fühlen wir uns aber einigermaßen sicher aufgehoben und so starten wir gemeinsam nach Medan. Sumatra wartet auf uns.

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