Indonesien – Reisfelder und Tempel in Bali

Indonesien Travels

Anfänglich hatten wir Zweifel, ob Indonesien ein geeignetes Reiseland für uns sein würde. Wird es nicht zu kompliziert werden von A nach B zu gelangen, allgemein alles zu organisieren, wenn die Infrastruktur für Touristen doch nicht so gegeben ist? Ist uns Bali nicht zu überlaufen, gilt es doch als das Mallorca für Australier? Würden wir da überhaupt noch ein paar verlassene Ecken finden können? Doch letztendlich war Bali ein sanfter Einstieg in die für uns unbekannte asiatische Kultur. Wir mieden den Partyort Kuta und wählten stattdessen Ubud als Ausgangsort für unsere Erkundungen. Dort hatten wir ein sehr schönes, schlichtes Zimmer mit Outside-Badezimmer und Blick auf Palmen von der Dusche aus. Die Besitzer waren genau so nett, liebevoll und hilfsbereit wie die Balinesen immer bezeichnet werden. Sie waren gerade dabei einen Pool zu bauen und wir waren die einzigen Gäste. Für den Lärm und das unschöne Dreckloch im Innenhof entschuldigten sie sich unaufhörlich. Sie boten uns sogar an in die Ferien-Villa eines Neffen umzuziehen, damit wir eine schönere Zeit auf Bali hätten. Doch uns gefiel dort die Ruhe und Freundlichkeit und so blieben wir. Aus drei gebuchten Nächten wurden zwei Wochen.

Jeden Morgen bekamen wir zwei super leckere Bananen-Pancakes mit frischer Papaya und Wassermelone. Jeder Teller war geschmückt mit einer wunderschönen Frangipani Blüte aus dem Garten. Am liebsten hätte ich mir eine unter die Nase gebunden, so unbeschreiblich gut duften diese perfekten Blüten.

Die Religion ist in Bali allgegenwärtig. Fast 95 Prozent der Bevölkerung gehören dem Hinduismus an. (Im Gegensatz zu den restlichen Inseln, die mehrheitlich muslimisch sind). An jeder Ecke und auf beinahe jedem Berg stehen prunkvolle Tempel. Die größeren sind richtige Anlagen mit Grünflächen, Teich und Brunnen, einem Papagei und einigen kleineren Gebäuden und Gebetsorten. Zudem hat jede Familie einen eigenen kleinen Tempel. Auf Reisfeldern und Märkten, an Straßenkreuzungen und Ortseingängen finden sich weitere kleine Tempel (eigentlich nur Steinklötze) die täglich mit Opfergaben “gefüttert” werden. Jeden Morgen sieht man Frauen bunte Opfer-Körbchen in die Tempel bringen, gefüllt mit Blüten, Reis, einem Keks und Räucherstäbchen. Die aus Bananenblätter oder Reisstroh geflochtenen Körbchen werden dann im Laufe des Tages von den Hühnern oder Hunden zerrupft und verteilen sich so überall. Durch die Opfergaben sollen die Götter wie auch die Dämonen gehuldigt werden. Man will damit die negativen Kräfte jedoch nicht beseitigen sondern sie in Bahnen lenken, damit sie zum Wohle der Menschen dienen.

Natürlich haben wir auch einige Tempelanlagen besichtigt. Dabei ist es ganz wichtig einen traditionellen Sarong zu tragen, also ein Tuch, das man sich um die Beine wickelt. Dank meinen inzwischen sehr guten Verhandlungskünsten haben wir auf dem Markt in Ubud einen sehr günstig erstanden. Ansonsten sind die Regeln aber sehr gelassen, auch Freizügigkeit ist anscheinend kein Problem.
Uns gefielen die Tempel sehr gut, auch wenn sie am Ende dann doch alle irgendwie gleich aussahen.

Besonders eindrucksvoll fanden wir den Pura (Tempel) Tirta Empul. Die Gläubigen schreiben dem Wasser im Tempel eine besondere Wirkung zu. Hierher kommen sie, um die Seele zu reinigen oder von Krankheit geheilt zu werden. Dafür durchlaufen sie von links jeden der zwölf Brunnen, beten und lassen sich das Wasser über den Kopf fließen.

 

Reis ist das Hauptnahrungsmittel in Indonesien und das wichtigste Anbauprodukt in Bali. Durch die vielen Reisterassen hauptsächlich im Süden der Insel, bekommt die Insel einen sehr grünen Charakter. Dieses Grün ist kräftig und leuchtend und reicht soweit das Auge sehen kann. Wir besichtigten die Tegalalang Reisterrassen, die allerdings sehr von Touristen überlaufen sind. Traditionelle Arbeiter vermieten ihre Körbe und ihren Hut an Touristen für ein Foto und bessern ihren Lohn durch Modellstehen gewaltig auf. Sie geben sich mit dem Trinkgeld auch erst zufrieden, wenn es ihrer Meinung nach angemessen ausgefallen ist. Wir konnten hier einige lustige Szenen beobachten, wie der enttäuschte Blick einer Arbeiterin über die Bezahlung den Touristen immer noch einige Scheine mehr aus dem Geldbeutel lockte. Es ist hier sogar schon so weit gekommen, dass es richtige Mautstationen gibt. Einige Balinesen haben die Gelegenheit erkannt und verlangen nun Maut, damit man weiter den Weg entlang laufen darf. An der ersten Station drehten wir schon wieder um, denn der Mann war so abgrundtief unfreundlich und stellte sich uns in den Weg. Wir hatten keine Chance ohne eine “Donation” an ihm vorbei zu kommen. Das war uns dann zu dumm. Zumal wir beim Eingang schon eine Spende für den Erhalt einer Brücke dagelassen hatten. 😀

Die Reisterrassen bei Jatiluwih sind dagegen um einiges größer, schöner und man muss nur einmal Eintritt bezahlen. Es ist schon sehr eindrücklich zu sehen, mit welch mühevoller Handarbeit der Reisanbau verbunden ist und wie selbst alte Frauen diese Arbeit verrichten. 

In Bali schlemmten wir uns dann durch die köstliche indonesische Küche in den typischen Warungs. Das sind kleine Restaurants oder eher Straßenimbisse, bei denen man manchmal vielleicht lieber nicht über die Hygienebedingungen in der Küche Bescheid wissen will. Wir mieden daher das obligatorische Chicken und ließen die dekorative Gurkenscheibe und das Salatblatt auch immer brav auf dem Teller liegen. So kamen wir in vier Wochen Indonesien zum Glück ohne verdorbenen Magen davon. Die Speisekarten waren natürlich meist auf Englisch und mit Bild und so suchten wir uns jeden Tag ein neues Gericht zum probieren aus.

Waren wir mal nicht so experimentierfreudig griffen wir auf Mie Goreng (gebratene Nudeln mit Gemüse) oder Nasi Goreng (gebratener Reis mit Gemüse) zurück. Nachdem wir uns einmal querbeet durchprobiert haben, können wir nun berichten, dass die indonesische Küche wirklich sehr lecker ist. Auch wenn uns das tägliche Nasi oder Mie nach spätestens drei Wochen dann doch zum Hals raus hing. Zumal es später auf Java auch nur noch Reis oder Nudeln zum Frühstück gab. Dreimal täglich war es für uns dann doch zu viel des Guten.
Nachdem wir in den USA über die hohen Lebensmittel Preise doch etwas schockiert waren, war auf Bali das Essen wieder extrem billig. Für ein eher ausgefallenes Essen im Warung bezahlten wir höchstens zwei Euro, für eine Cola 70 Cent.

Dies war wohl unser billigstes Mittagessen: Mie Goreng für 50 Cent und Eistee für 30 Cent. Dabei sah das Warung überraschend modern aus.

Da uns die indonesische Küche so gut geschmeckt hat, beschlossen wir hier einen Kochkurs zu machen. Dieser begann mit einem morgendlichen Marktbesuch, wo uns unser lustiger, runder Koch einiges Wissenswertes über das typische Obst und Gemüse und die vielfältigen Gewürze erzählte.

 

Fertige Opfergaben gibt es hier ebenso zu kaufen. “Once in a month women have a problem and are not allowed for the offering”, erklärte uns der Koch. 🙂 Dann fällt diese Aufgabe den Männern zu, die die Opfergaben gerne fertig auf dem Markt kaufen.

Als wir dann in der Küche ankamen, waren alle Zutaten bereits wunderschön hergerichtet.

Gekocht wurde eine Suppe, Chicken in Curry mit Gemüse, Thunfisch in Bananenblatt gegrillt, Mie Goreng und Chicken Satai (Spieße über Kokosfeuer gegrillt). Für die Gerichte bereiteten wir drei verschiedene Grundsoßen vor, mit erstaunlich vielen Zutaten, die alle zusammen gemörsert wurden. Als Desert gab es anschließend karamellisierte Banane mit Eis. Besonders wegen unserem überaus lustigen Koch, der sichtlich Spaß an seiner Arbeit hatte, war es für uns ein herrlicher Vormittag, abgerundet durch köstliches, selbst zubereitetes Essen.

Von Ubud aus unternahmen wir zwei größere Ausflüge mit dem Roller. Unser großen Rucksäcke konnten wir in der Unterkunft lassen und so fuhren wir mit leichtem Gepäck einmal fast um die Insel. An der Ostküste in Tulamben liegt ein Schiffswrack, das relativ einfach zu betauchen ist. Fabi tauchte also dort ab und ich folgte seinen Blubberblasen von oben mit dem Schnorchel. Da das Wrack in eher flachem Wasser liegt, konnte ich auch von oben die bewachsenen Schiffsüberreste sehen. Ein ganz besonders Highlight waren aber die vielen bunten Fische. Mehrmals fand ich mich inmitten eines riesigen blau-silbernen Schwarms wieder.

Auf dem weiteren Weg um die Insel machten wir Halt beim Tempel Ulun Danu Bratan, einer eigentlich sehr schönen Tempelanlage, die allerdings deutlich kleiner ist als von uns erwartet.

Der zweite große Ausflug führe uns auf die Insel Nusa Penida, welche Bali in südöstlicher Richtung vorgelagert ist. Sie gilt als ein noch unberührtes Paradies und ist ganz einfach mit der Fähre zu erreichen. Dennoch ist ein Großteil des Landes schon an Hotelketten verkauft, es ist also nur eine Frage der Zeit, bis auch hier die Strände verbaut sind. Noch gibt es dort recht wenig Unterkünfte und nur eine kleine Strandbar. Aufgrund der zum Glück noch fehlenden Infrastruktur kamen wir hier mit unserem Roller jedoch nur schwer vorwärts, manche “Straßen” wollten wir ihm dann doch nicht zumuten. Hauptsächlich waren wir jedoch wegen den Mantarochen nach Nusa Penida gekommen, die man bei einer Schnorcheltour zu sehen bekommen kann. Von dieser waren wir jedoch ziemlich enttäuscht. Mehrere Boote tummelten sich in einer Bucht und zwanzig mit Schwimmwesten ausgestattete Schnorchler jagten einem einzigen Manta hinterher. Das hätten wir so von einer “unberührten” Insel nicht erwartet. Letztendlich fand sich doch noch ein Augenblick beinahe alleine mit dem ca. drei Meter breiten Manta – wunderschön. Auch die bunte Korallen- und Fischwelt hier hat uns schwer beeindruckt.

Auf unseren beiden Ausflügen sahen wir die andere Seite von Bali. Es ist eben nicht nur das schöne Ubud. Sondern auch die kleinen Dörfer, die von der Landwirtschaft leben, wo die Hühner auf den Straßen umher laufen, wo die Jugendliche vor kleinen Shops am Straßenrand sitzen und nichts zu tun haben, wo die Kinder uns winkend begrüßten und die Autofahrer hupend und winkend an uns vorbei fuhren, wo wir unter den Vordächern vor dem Regen Schutz findem durften, wo die Straßen plötzlich Schlaglöcher haben oder teilweise unterspült und weggebrochen sind und wo der Müll in den Gräben neben der Straße brennt. Oh ja der Müll. Der ist hier plötzlich überall. Und da die Menschen nichts besseres mit ihm anzufangen wissen, brennt er eben an jeder Ecke. Besonders sie Fahrt mit der Fähre nach Nusa Penida und das dortige Schnorcheln hat uns hinsichtlich des vielen Mülls im Meer schockiert und traurig gemacht. So viel Plastik schwimmt hier im Meer, teilweise ekelten wir uns im Wasser da man plötzlich von sämtlichen Verpackungen umgeben war. Ja wir sahen sogar Menschen, die ihre leeren Plastikflaschen vom Schiff direkt in den “Mülleimer Meer” warfen. Zwischen den Palmen auf der schönen Insel liegen alte Computer und sonstiger Sperrmüll. Dennoch glauben wir, dass dies alles schlichtweg an mangelnder Aufklärung liegt. Die Menschen sind unwissend darüber, wie sie durch ihr Verhalten die Umwelt zerstören, welche Auswirkungen dies auf ihre Nachkommen hat und wie empfindlich die Ökosysteme im Meer und auf den Inseln sind. Sie sind überfordert mit all dem Müll, der sicherlich auch durch die Touristen aus dem Westen hierher gebracht wurde. Hier kommt eben nicht regelmäßig die Müllabfuhr, die den angefallenen Müll entsorgt. Und wenn im ganzen Garten schon der Müll vergraben ist, bleibt eben nur noch das Verbrennen um ihn “aus der Welt zu schaffen”.

Passenderweise lernten wir auf Nusa Penida eine junge Frau aus Berlin kennen. Sie produziert Zuhause kaum Müll, denn was möglich ist kauft sie im “Unverpackt-Laden”, das Obst im Supermarkt packt sie in eigene Netze und eben nicht in die Plastiktüten und wenn sie unterwegs Hunger hat, greift sie nicht zum schnellstmöglichen in Plastik verpackten Imbiss sondern wartet, bis sie etwas unverpacktes finden. Zudem ernährt sie sich vegan, um nicht für all die Umweltschäden durch Fleischproduktion etc. verantwortlich zu sein. Man muss ja nicht von heute auf morgen seinen Lebensstil komplett umändern, aber man kann ein Bewusstsein für die eigene Müllproduktion und die eigene Verantwortung für den Erhalt unserer schönen Erde entwickeln. Diese Begegnung war sehr inspirierend für uns und wird definitiv unser gewohntes Konsumverhalten Zuhause prägen und verändern.

P.S.: Auf einen Roller passt immer mehr als man denkt! 😉

1 thought on “Indonesien – Reisfelder und Tempel in Bali”

  1. … so, jetzt melde ich mich auch mal…
    Die Frangipani-Blüte haben wir auf Hawaii PLUMERIA genannt. Und die ist wirklich unschlagbar in ihrem Duft und so rein in ihrem Aussehen. Ich habe mich auch total in diese Blume verliebt.
    Schwimmen in Eintracht mit Wasserschildkröten – auch auf Hawaii, ein unbeschreibliches Erlebnis, das man nicht missen möchte.
    Auf ein original indonesisches Essen, exclusiv von euch am heimischen Herd gekocht, freue ich mich jetzt schon…
    Und einfach fantastisch, was ihr bis jetzt alles so erlebt habt
    VIELEN DANK für die vielen sehr mitreißenden Blogeinträge! Man spürt euer Glück und Begeisterung!!!
    Bis bald, freue mich
    Beate

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