Kapstadt – Silvermine, Braai und Stress mit der Autovermietung

Afrika Roadtrip Südafrika Travels

Seit dem ersten ersten November gelten in Kapstadt “Water Restrictions”, das heißt jeder Haushalt darf nur noch eine bestimmte Menge an Wasser verbrauchen, wird diese überschritten, muss man wohl einiges an Strafe zahlen. Auch an den Duschen am Strand sind einige aufgrund der Restrictions abmontiert worden und z.B unsere Autovermietung putzt ab jetzt die Autos nur noch innen und nicht mehr außen, man bekommt also ein dreckiges Auto. Viele Menschen hier fangen das Wasser vom Duschen auf und bewässern dann mit dem Shampoo-Wasser ihre Gärten! Grund für das alles ist eben die Wasserknappheit aufgrund der anhaltenden Dürre. Ein Ende ist auch nicht in Sicht, denn der Sommer hat noch nicht richtig begonnen. Jetzt dürfen wir maximal drei Minuten zum Duschen brauchen, was echt sehr sehr kurz ist! Es ist für uns jedenfalls sehr ungewohnt immer ein schlechtes Gewissen zu haben, sobald man den Wasserhahn aufdreht. 

img_0772Vor ein paar Tagen haben haben wir im Silvermine Nationalpark gefrühstückt und sind anschließend um den See und ein bisschen in die Berge gelaufen. Der Park ist nur wenige Minuten von uns entfernt, ein wunderschönes Stück Natur mitten in Kapstadt. Das Wasser im See ist wohl das Beste Wasser überhaupt, aber uns war es ein wenig suspekt aufgrund der rostroten Farbe, die aber vom Berggestein kommt. Ein schöner Holzpfad führt um den See, doch man kann auch größere Touren unternehmen. Wir sind etwa eine Dreiviertelstunde weiter gelaufen bis man eine herrliche Sicht auf Kapstadt hatte. Die Schönheit dieser Natur lässt sich nur schwer beschreiben. Überall wo man hinblickt harmonieren die verschiedenen Farben so perfekt miteinander. Man kann es nicht fassen! Das Ockergelb der Gräßer, abgebrannte Büsche von einem riesigen Buschfeuer vor zwei Jahren, lila-pinke Blüten, weiße Blüten und welche in hellem lila, hellgrauer Sand, strahlend blauer Himmel, grüne Berge, das Meer im Hintergrund, rostrote, steinige Wege… Und wir mittendrin. 

img_0771Danach legten wir uns noch an einen Strand, schauten den Surfern zu und als der Wind immer stärker wurde, fuhren wir nach Hause und versuchten in drei Minuten den ganzen klebrigen Sand von unseren Körpern abzuwaschen.

img_0745

Abends kam dann die ganze Familie zum Braai vorbei. Wir hatten schon sehr viel von ihnen gehört und sie wussten auch schon viel von den deutschen Reisenden. Der Mann der einen Tochter brachte selbstgemachte Kuduwurst mit, er hatte das Kudu selbst geschossen und auch die Wurst selbst gemacht. Geschmeckt hat es hervorragend! Wir saßen alle um den schön gedeckten Tisch mit Bier oder Wein, ein Radler heißt hier übrigens Shandy. Es war ein richtig geselliger Abend mit sehr gutem Essen! Das große Stücke auf dem Grill war Rindfleisch, das später in dünne Scheiben geschnitten wurde und sehr fein schmeckte. Für uns war es sehr schön sofort ein Teil der Familie zu sein! Wir mussten natürlich von unseren Reiseplänen erzählen und wurden in sämtliche Familieninterne Geschichten eingeweiht. Allgemein war es ein wunderschöner Abend, wo wir so viel gelacht haben, wie selten zuvor! 

img_0769Am darauffolgenden Tag machten wir uns auf zum Cape Point. Letztes Mal hatten wir dort viel zu wenig Zeit und so wollten wir diesmal bis zum vordersten Leutturm laufen. Außerdem besichtigten wir ein enttäuschend wenig spektakuläres Schiffswrack. Der Nationalpark zeigte sich in seiner schönsten Frühlingspracht, mit Blumen in lila und weiß.

img_0770
Nun war es für uns an der Zeit einfach mal nichts zu tun. Janika fühlte sich krank und eigentlich haben wir auch das wichtigste in Capetown bereits gesehen. So blieben wir im Haus, organisierten ein paar Dinge und schliefen viel. Irgendwann überkam uns der Hunger und wir gingen einkaufen, in einen anderen Laden wie bisher. “Food Lovers Market” hört sich ja schonmal sehr gut an. Und es war das reinste Paradies! Obstregale so groß wie wir sie noch nie gesehen haben, ein riesiger Bereich mit Spendern wo man sich verschiedene Nussmischungen, getrocknete Früchte und Süßigkeiten abfüllen kann, eine riesige Theke mit fertig gekochtem, wie verschieden zubereitetes Gemüse und Fleisch, Salat und und und. Man kann sich dort einen Teller zusammenstellen, der wird gewogen und gegessen wird im angrenzenden Restaurant. Und das alles innerhalb des Supermarktes! Das Schönste war aber der Bäckereibereich. Eine riesige Auswahl an Törtchen, kleinen Torten, Keksen, Dounoughts, Brownies… und sogar glutenfreies Baguette und “German Landbröt”. Es ist jedenfalls unser neuer Lieblingsladen!

img_0857

In Tokai, dem Viertel in dem wir wohnen, gibt es einen kleinen Wald, der abgeholzt werden soll. Es ist ein ehemals künstlich angelegter Kiefernwald, den die Einheimischen aber rege nutzen und dessen Holz jetzt zu Geld gemacht werden soll. Um das zu verhindern gibt es einen mehr oder weniger großen Aufstand der Bevölkerung. In diesem Zusammenhang organisierte die Initiative ein “Festival of Lights” im Wald, zu dem wir mit Cathy und Craig und ihrer Tochter gegangenen sind. Aus der ganzen Gegend kamen Familien und kleine Gruppen zusammen und breiteten ihre Picknickdecken aus. Es war unwahrscheinlich “lovely”! Besonders auch das Picknick an sich, es gab Wein, salzige Cracker, dazu Camembert und Brie Käse, Chips mit Dip, Baguette und Chicken, Tomaten, Salat und Senf zum selbst belegen. Eine afrikanische Band machte Musik, später sang ein Mädchen und spiele Gitarre, dann spielten zwei ältere Herren Gitarre und Flöte. Wir saßen beisammen, unterhielten uns und um uns herum spielten die Kinder. Als es dunkler wurde gingen die Lichterketten, die um die Baumstämme gewickelt waren, an und die Kinder huschten jetzt mit Leuchtstäben geschmückt durch die Nacht. Es war ein wunderschöner Abend!

img_0840img_0841

Als wir nach Hause kamen, stand die Haustür sperrangelweit offen und die beiden blieben vor Schreck wie angewurzelt stehen. Denn das bedeutete, dass jemand eingebrochen war. Man muss dazu sagen, dass viele Häuser hier zur Straße hin nur eine große Mauer mit Tür und Garagentor haben. Diese Tür ist immer abgeschlossen. Und dahinter kommt dann der Garten und das Haus mit der eigentlichen Haustür. Innerhalb der Mauer kann alles offen sein, solange jemand im Haus ist. Verlässt man das Haus, werden die Türen geschlossen und außerhalb der Mauer wird die Alarmanlage eingeschaltet, die ausgelöst wird sobald die Sensoren innerhalb der Mauer Bewegungen feststellen. An diesem Abend konnten sie die Alarmanlage irgendwie nicht anschalten und sind dann einfach gegangen. Wie sich herausstellte war es aufgrund der offenen Haustür! Es ist also nichts passiert, aber es war ein riesen Schreck, der uns mal wieder klar machte, dass wir niemals in so einer Festung leben könnten ohne ständig Angst zu haben. Im Viertel hier patrouilliert zwar andauernd Security, fast alle haben Hunde, manche haben auf der Mauer noch Stromzäune und es gilt generell als eine sehr sichere Gegend, aber gerade das ist ja der Grund weshalb es ein wenig beängstigend dort ist…

img_0842

Gestern Vormittag haben wir dann unseren großen Einkauf fürs Camping in Namibia und Botswana erledigt. Wir haben Wasser, Reis, Nudeln, Kartoffeln, ganz viele Fertigsoßen, Kekse, getrocknete Mangos, Gaskartuschen, Holzkohle, Milch, Müsli, Orangensaft, Zwiebeln, Äpfel und und und gekauft, was uns hoffentlich die ganze Zeit über reichen wird. Fleisch und frisches Gemüse kaufen wir dann unterwegs oder in den kleinen Shops in den Nationalparks. Danach fuhren wir zum Flughafen um unser Kapstadt Auto zurück zu geben. Aufgrund unserer langen Mietdauer mussten wir das in zwei Mieten splitten. Da wir das größte und beste Auto unserer Kategorie bekommen hatten, wollten wir es gerne für die weitere Afrikareise behalten. Unser eigentlicher Plan war es, das Auto dort hinzustellen, mit unseren Gastgebern in deren Auto in die Weinberge zu fahren und dann abends dasselbe Auto wieder mitzunehmen. Da wir es abends in Johannesburg am Ende der Reise zurückgeben, wollten wir es abends auch neu anmieten, um nicht wegen ein paar Stunden einen ganzen Tag zahlen zu müssen. Nun ging das aber nichts ganz so auf, aus verschiedensten Gründen. Unsere Gastgeberin konnte dann jedoch heraushandeln, dass wir am Abend hundertprozentig wieder einen Hunday Accent bekommen würden. So gaben wir das Auto zurück und fuhren mit ihnen ins Weingebiet oberhalb von Kapstadt, wo sich ein Weingut an das nächste reiht. Jedes hat ein Restaurant und bietet Weinproben an, was uns allerdings wenig interessiert:) Wir aßen dann in einem dieser Restaurants Flammkuchen und Pizza und tranken Wein bzw. Bier. Als kleines Dankeschön für alles was die Beiden für uns getan und organisiert haben, für das tägliche Abendessen und die kostenlose Unterkunft, wollten wir sie auf das Essen einladen. Doch für sie kam das absolut nicht infrage, schließlich seien ja wir die Gäste!  Sie waren aber sehr gerührt von unserem Gedanken sie einladen zu wollen. Schon ganz schön verrückt was uns mit diesen liebevollen Menschen widerfahren ist! Sie haben einfach uns Wildfremde damals im April in ihr Haus eingeladen und uns auch diesesmal wieder aufgenommen. Sie sind zu richtigen Freunden geworden, obwohl sie fast vierzig Jahre älter sind als wir. Sie haben uns einen tiefen Einblick in ihre Familie, ihr Land und ihre Kultur gewährt und ganz selbstlos für uns gesorgt. Einfach so. Jeden Abend saßen wir stundenlang beim Essen zusammen und der Gesprächstoff ging uns niemals aus, was auch unserem Englisch zugutekam. Wir sind sehr dankbar für die Begegnung mit diesen Menschen!

img_0862 img_0863

Um sechs Uhr setzten sie uns beim Flughafen wieder ab und wir mieteten den uns versprochen Hyundai Accent an. Es hätte so einfach sein können.. Zuerst hieß es, dass die Versicherung für Reifen und Scheiben 35Rand pro Tag kosten würde, bisher haben wir aber nur 2Rand bezahlt. Dann hat sich das gelöst und wir bezahlen auch weiterhin 2 Rand. Dann hieß es dass die Gebühr um nach Namibia und Botswana zu fahren 1600 Rand kosten würde, in den Nutzungsbedingungen, denen wir zugestimmt hatten, standen 1400 Rand. Dann wollte die Lady die Nutzungsbedingungen von uns ausgedruckt haben es gab dort aber kein WLAN um es denen per Mail zu schicken und wir hatten auch nur das Tablet dabei. Irgendwie hat dann der Chef persönlich noch eine Lösung für das Problem gefunden. Dann hieß es, dass von unserem alten Vertrag noch 1500 Rand zu zahlen wären (100€), sie wussten aber selbst nicht für was. Nach einer Ewigkeit stellte sich heraus, dass sie unsere Grenzübertrittesgebühr und Versicherungen auf den alten, anstatt den neuen Vertrag gebucht hatten. Und zu guter letzt hieß es, dass wir noch die Einwegmiete in Höhe von 70€ zu zahlen hätten, was aber auch nicht stimmte, da diese in unserer deutschen Buchung schon enthalten war. Natürlich war es nicht einfach denen das zu beweisen, denn es war ja alles auf Deutsch. Als auch das geklärt war, standen wir bereits seit über zwei Stunden an diesem bescheuerten Schalter. Wir waren müde und hatten kein Bock mehr. Dann schauten wir uns das Auto an und es war knallrot. Man muss wissen, dass in Südafrika gefühlt 90% der Autos weiß sind. Für andersfarbige Autos sind sogar die Versicherungen höher. Natürlich war es uns nicht so geheuer mit einem so auffälligen Auto unterwegs zu sein. Dann haben wir nochmal ganz lieb gefragt ob es das nicht auch in weiß gäbe. Zuerst wollten sie uns ein kleineres Auto geben, aber dann gab es plötzlich doch noch einen weißen Hyundai Accent!

img_0849Nach fast drei Stunden fuhren wir endlich nach Hause und wurden von einer aufgelösten Cathy empfangen. Wir hatten eine Stunde zuvor mal angerufen dass es später wird und dann das Handy wieder auf Flugmodus gestellt. Dann hat sie mehrmals versucht uns anzurufen und niemanden erreicht. Grund für ihre Sorge war die N2, ein Highway, der vom Flughafen durch die Townships in die Stadt führt und der vorallem nachts sehr gefährlich wird. Auf dieser Straße hält man nicht an, nicht einmal wenn man eine Panne hat, sogar Schilder weisen darauf hin, dass man hier niemals anhalten soll. Es kam schon vor, dass Menschen Steine von Brücken werfen, um die Autos zum anhalten zu zwingen um sie dann auszurauben. Verständlicherweise haben sich alle riesige Sorgen gemacht, dass uns was passiert sein könnte. Und wir waren von den Geschichten der N2 auch ein wenig geschockt. Eigentlich wollten wir heute in Richtung Namibia fahren, doch weil es gestern so spät wurde, entschieden wir uns erst morgen zu fahren. So können wir heute Abend noch Linsen mit Spätzle kochen!:)

1 thought on “Kapstadt – Silvermine, Braai und Stress mit der Autovermietung”

  1. Schöner Bericht über die schönen und auch weniger netten Seiten einer Reise.
    Aber bedenkt: es bleiben eigentlich immer nur die positiven Dingen hängen…

    Weiterhin eine gute Reise nach Namibia und Botswana und:
    Lasst euch heute Abend das schwäbische Nationalgericht schmecken!
    (Hoffentlich schmeckt es euren “Gast-Eltern” auch….)

    Euch weiter gespannt von zuhause begleitend
    Steffen

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.