Der Kgalagadi Transfrontier Park

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“It’s gonna be a little bit bumpy”, wurde uns im Voraus über die Strecke in den Namaqua Nationalpark gesagt. Und das war sie in der Tat! Von Kapstadt aus fuhren wir in den Norden und bogen bei Garis auf die 70km lange Gravel Road ab. Gleich zu Beginn war die Straße wie Wellblech, nur schlimmer. Das ganze Auto wurde durchgeschüttelt und je langsamer man fuhr, desto schlimmer wurde es. Also senkten wir den Reifendruck und fuhren mit 50km/h über die Wellen. So sanken die Reifen nicht mehr in die Vertiefungen ein und die Fahrt wurde ein klein wenig angenehmer. Im Park angekommen waren wir sehr überrascht wie schön der Campingplatz war. Direkt am tosenden Meer, ohne Strom und Wasser, dafür aber mit einem super süßen Plumpsklo. Der andere Camper war so weit entfernt das wir ihn kaum sehen konnten. Wir bauten in Windeseile unser Zelt auf und saßen dann pünktlich zum Sonnenuntergang mit unserem Abendessen auf einem Stein am Meer.

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Am nächsten Morgen holperten wir die 70km wieder zurück und ließen unsere Reifen wieder aufpumpen. Je weiter wir dann in den Norden fuhren, desto wüstenähnlicher wurde die Landschaft. Zu Beginn war es noch bergig dann wurde es immer trockener und steiniger. Pittoreske Steintürme aus sehr großen und kleinen runden Steinen säumten den Weg, als hätte sie jemand aufeinander gestapelt. Immer wieder fragten wir uns, wie diese Steinberge überhaupt halten konnten und wieso sie nicht auf die Straße kullerten.

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Mit nicht mehr sonderlich viel Sprit im Tank erreichten wir schließlich den Augrabies Nationalpark, wo uns erstmal die Hitze ins Gesicht schlug. Die beinahe 40 Grad ließen uns sofort in die klimatisierte Rezeption flüchten, wo wir den Mittag mir exzellentem WLAN genossen. Fabi hatte aber schon vorher in der Pampa mit unserem restlichen Datenvolumen die Botschaft der “Trumpokalypse” empfangen, die bei uns für reichlich Kopfschütteln sorgte.

Bei schon weit über 25 Grad war es am nächsten Morgen um halb acht dann einigermaßen erträglich um zu den Wasserfällen zu laufen. Dafür, dass Wasserfälle im allgemeinen eher langweilig sind (meine Meinung, Fabi sieht das anders), waren diese außergewöhnlich schön. Wir hatten leider nur unsere Handys dabei und die Bilder sind somit sehr schlecht, wer wissen will wie die Wasserfälle aussehen muss halt googelt:)

Im nächsten Dorf kehrten wir ins Café Rosé ein, weil uns sehr nach Koffein zumute war. Mitten in einer recht hässlichen Umgebung ist dieses Café eine wahre Oase, wo wir unseren Cappuccino in Rosen-Tassen serviert bekamen, die sicher jeder Oma gefallen! Anschließend ging es zweihundert Kilometer eigentlich nur geradeaus. Kaum ein Auto kam uns entgegen und ab und zu überholten wir einen LKW. Solche Fahrten genießen wir immer sehr. Einfach nur fahren um des Fahrens Willen. Die Sicht reicht entweder ewig weit, bis die Straße in den Horizont übergeht oder sie reicht bis zur nächsten Kuppe, wo man dann erstmal gar nichts mehr sieht. Im letzten der nun sehr selten gewordenen Dörfern tankten wir nochmal voll, kauften uns eine riesige Packung getrocknete Mangos und fanden uns dann im “Diamond T” wieder, erneut einer Oase, mitten im Nichts. Ein wunderschön dekorierter Garten mit Brunnen und saftig grünem Rasen. Das hätten wir niemals hier erwartet. Betrieben wurde das Café von Weißen und wir fragten uns, was diese Menschen hier hält. 100km sind es bis zur nächsten Stadt, es ist heiß und staubig und es gibt nichts außer einer Tankstelle, einem mini Supermarkt und einem kleinen Handwerkershop.

img_0977img_0978img_0979Nach einer eisgekühlten Cola und einem Sandwich fuhren wir noch ein Stück und erreichten dann endlich unser Ziel: den Kgalagadi-Transfrontier-Nationalpark. Im Camp Twee Rivieren bauten wir mehr schlecht als recht unser Zelt auf. Logischerweise bestand der Untergrund nur aus Sand, der nach drei Zentimetern steinhart wurde und das Einschlagen der Heringe unmöglich machte. Hinzu kam der Wind, der zwar aufgrund der Hitze sehr willkommen war, das Aufbauen des Zeltes aber sehr beschwerte. Da die Heringe nicht hielten, benutzten wir große Steine um das Zelt zum Stehen zu bringen. Irgendwann konnte man dann erkennen, dass es ein Zelt darstellen sollte, aber traurig sag es irgendwie schon aus.

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Gegen vier Uhr begaben wir uns dann endlich wieder auf Pirschfahrt! Endlich wieder durch die Wildnis fahren und nach Tieren Ausschau halten, endlich wieder auf Safari sein. Dieser Park ist besonders bekannt für seine große Population an Löwen, Geparden und Leoparden. Außer den Katzen gibt es hier eigentlich nur deren Futter, nämlich sämtliche Arten von Antilopen, von denen wir die Gemsböcke/Oryx am liebsten mögen. Außerdem gibt es ein paar wenige Giraffen, Hyänen, Erdmännchen und etliche Vogelarten. Im Gegensatz zu unseren bisher besuchten Nationalparks sind hier die Distanzen viel größer. Von Camp zu Camp sind es immer jeweils ca 170km und so sind wir viele Straßen nur einmal gefahren und nicht wie sonst mehrmals und immer wieder im Kreis. Entlang der Straßen gibt es immer wieder künstliche Wasserlöcher, wo sich besonders gut Tiere sehen lassen. Uns hat jemand erzählt dass es hier nur aufgrund der Deutschen Tiere gibt, denn diese hatten während dem ersten Weltkrieg nach Wasser gebohrt, während der Krieg gegen England im Süden Afrikas ausgetragen wurde.


img_0986Schon am ersten Wasserloch auf unserer ersten Fahrt lag ausgestreckt ein Gepard, den wir später trinken sahen. Wir freuten uns noch über die ersten Antilopen und über einen Sonnenuntergang á la Afrika.

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img_0995img_0998Da unser Zelt bekanntlich nicht gut abgespannt war und es immer noch sehr stark windete, wurden die Zeltplanen ständig aneinander geschlagen, was einen Lärm verursachte, der uns nur schwer schlafen ließ. Noch sehr müde krabbelten wir dann am nächsten Morgen um fünf aus dem Zelt und fuhren eine halbe Stunde später in die Wildnis hinaus. Die ersten Sonnenstrahlen ließen alles ein wenig golden aussehen, was Antilopen und Schakalen sehr gut steht.

Wie es so oft ist, sahen wir schon in der Ferne viele Autos beisammen stehen und erkannten auch schon bald den Grund dafür: ein Löwe schlenderte am Weg entlang. Irgendwann legte er sich hin und streckte stolz den Kopf ins Sonnenlicht, als wüsste er wie schön er ist. Plötzlich schreckte er auf und trabte die Düne hinauf, gefolgt von einem weiteren Löwen und einer Löwin, die aus der anderen Richtung kamen. Bald waren sie aus unserem Sichtfeld verschwunden und wir waren noch ganz geflasht weil gerade zwei Löwen an uns vorbei gerannt sind. So merkten wir gar nicht dass die Löwin den Berg wieder hinunter kam. Sie lief direkt an unserem Auto vorbei und huschte dann in die Büsche. Kurz darauf kam sie zurück (wir vermuten zumindest dass es die selbe war), aber in Begleitung eines jungen Löwen. Sie gingen zusammen zum Wasserloch auf der anderen Straßenseite. Die Gemsböcke, die sich ums Wasserloch tummelten hatten sie damit verscheucht.

img_1013img_1020Die Mittagszeit verbrachten wir im Camp. Die Tiere liegen dann ohnehin nur im Schatten und sind schwer zu entdecken. So kochten wir uns Spaghetti und legten uns an den Pool, wo die Hitze gut auszuhalten war. Gegen 5 fuhren wir dann erneut los, am Wasserloch wo morgens die Löwen waren tat sich aber nichts. Auf dem Rückweg stand dann der ganze Himmel in Flammen! Alles leuchtete pink und orange und sah aus wie mit einem großen Pinsel gemalt. Besonders spektakulär war der Kontrast zu den dunklen Regenwolken. So einen Sonnenuntergang erlebt man wahrscheinlich nur in Afrika.

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Bei unsere Pirschfahrt am nächsten Morgen hielten wir bei den Schakalen an, die kräftig mit der Erweiterung ihres Baus beschäftigt waren und sich dabei, zu unserer Unterhaltung balgten. Am Wasserloch vom Vortag lag wieder ein Löwe, der angestrahlt von der Morgensonne sich putzte, mehrmals gähnte und sich im Gras wälzte. Die Gnus im Hintergrund hatten ihn dabei stets im Blick.

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An diesem Morgen waren wir auf dem Weg ins 170km entfernte Camp Nossob. Bereits als wir vor dem Losfahren das Permit holten, bemerkte Fabi dass der rechte Hinterreifen zu wenig Luft hatte. Nur noch 0,2 Bar waren im Reifen, anstatt 1,5. Wir wollten nicht sofort den Ersatzreifen verschwenden, denn vielleicht würden wir den noch dringender brauchen. Also pumpten wir auf 2 Bar auf und fuhren mit einem etwas unguten Gefühl los. Nach ca. 50km kam der erste Picknickplatz. Diese sind zwar nicht eingezäunt, also mitten in der Wildnis, doch hier darf man aus dem Auto steigen und es sind auch meistens andere Leute dort. Wir hatten wieder einiges an Luft verloren und bekamen dann Hilfe von einem vollausgestatteten 4×4 Besitzer, der einen Kompressor dabei hatte. Nach weiteren 60km überprüften wir wieder den Druck beim nächsten Picknickplatz. Wieder hatten wir Luft verloren. Die deutsch sprechende Gruppe aus Namibia neben uns, riet uns den Reifen zu wechseln und den kaputten im Camp reparieren zu lassen. Denn anderweitig bestünde die Gefahr, dass wir uns den Reifen komplett kaputt fahren und er dann nicht mehr zu gebrauchen sei. Also räumten wir den Kofferraum aus und wechselten den Reifen. Da sahen wir dann auch den Grund für das Problem: ein recht großer Nagel war der Übeltäter. So machten wir uns wieder auf den Weg, weitere 60km lagen vor uns.

Wir sahen noch eine Gruppe von vier jungen Löwen, die wir eine Weile beobachteten. Die Straße ist mit der Zeit immer sandiger geworden, wohingegen im Süden noch alles Schotter war. Es gab viele gut zu befahrende Abschnitte, wo der Sand hart und platt gefahren war, aber auch einige wo der Sand sehr lose war und wir uns bemühen mussten nicht zu sehr an Geschwindigkeit zu verlieren um nicht zum Stehen zu kommen. Dabei schlitterte das Auto ziemlich hin und her. Über den Straßenzustand waren wir dann doch überrascht, weil es in sämtlichen Internetforen und selbst an der Rezeption des Parks hieß, dass es gut auch ohne 4×4 zu fahren sei. Etwa drei Kilometer vor unserem Ziel kam es dann wie es kommen musste: es ging minimal bergauf und wir verloren immer mehr an Geschwindigkeit, bis das Auto zum stehen kam. An Anfahren war nicht zu denken, die Reifen drehten durch, wir steckten fest. Nun hieß es warten und hoffen das bald jemand vorbei kommen würde. Wir hatten Glück, schon nach zehn Minuten kam jemand der dann ins Camp fuhr um dort Hilfe zu holen. Nach einer halben Stunde kam dann jemand, der uns herauszog und wir erreichten dann sehr erleichtert das Camp Nossob, wo auch unser Reifen repariert wurde.

img_1112Wir verbrachten den Nachmittag wieder auf einer schattigen Liege am Pool. Irgendwie fühlten wir uns ein bisschen klein zwischen allen den riesigen Allradfahrzeugen, die alles was man hier draußen jemals brauchen könnte dabei hatten. Mitten drin standen wir mit unserem kleinen Auto und unserem Zelt. Bestimmt würden die anderen denken dass wir sehr naiv und unvernünftig sind. Doch dann stellten wir fest, dass es vielleicht sehr “Deutsch” ist andere gleich abzustempeln und in eine Schublade zu stecken. Vielleicht denken die Menschen hier gar nicht so… Nach all den Pannen waren wir sehr gerührt, als dann unser Nachbar uns einen Tisch brachte. Er freute sich wiederum riesig uns etwas Gutes tun zu können. Da kam auch schon der andere Nachbar und brachte uns zwei Stühle. Wir waren sprachlos und sehr dankbar.img_1098img_1101

Vor der Weiterfahrt am nächsten Morgen hatten wir ein wenig Angst, doch alles lief glatt. Wir fuhren als eine der ersten los, damit nicht so viele Autos vor uns sind, die uns zum anhalten im Sand bringen könnten. Drei Löwen tranken gerade am Wasserloch, als wir vorbei kamen und trotteten auch schon bald wieder weiter. Wir hatten wieder 170km bis zum nächsten und letzten Camp Mata-Mata zu fahren. Ganze drei Stunden kam uns kein anderes Auto zu Gesicht, ganz allein genossen wir die Ruhe und den Frieden der Natur in den frühen Morgenstunden. Kurz vor Mata-Mata lag eine Löwin schlafend neben einem Kadaver. Fast eine Stunde standen wir da, in der Hoffnung wir würden sie noch in Action sehen:) Doch es tat sich nichts. Wo wir den Nachmittag verbrachten ist eigentlich klar, nämlich am Pool.

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img_1107img_1109img_1108Am nächsten Morgen trafen wir einen Löwen beim Kadaver an und er war ausnahmsweise nicht am Schlafen, sondern am Fressen! Es stank schon fürchterlich, schließlich lag das Tier seit mindestens 18 Stunden tot da. Wir beobachteten den Löwen wie er am Bein zerrte und sich später gesättigt neben die Beute legte und sich die Pfoten ableckte. Nach vier Tagen und ca. 25 Löwen erklärten wir unsere Zeit im Kgalagadi für beendet, fuhren zurück und packten unsere Sachen. Mit dem Verlassen des Camps überschritten wir die Grenze nach Namibia…

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