Namibia – wie (fast) alles anders kam

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Mit dem Verlassen des Kgalagadi Transfronier Parks überschritten wir die Grenze nach Namibia. Von dort ging es auf einer Schotter Piste in Richtung Mariental, wo unsere nächste Übernachtung sein sollte. Überall wurde uns gesagt, dass die Straße in einem sehr guten Zustand sei. Das war sie eigentlich auch, es war kein Feldweg sondern so breit, dass bestimmt vier Autos nebeneinander Platz gehabt hätten. Das machte es auch irgendwie schwer zu fahren, weil es keine Spuren gab und die Straße immer leicht rechts und links abfiel. So fuhren wir meistens in der Mitte, auf dem höchsten Punkt. Oftmals ging es lange geradeaus, dann kamen wieder Kuppen und teilweise recht scharfe Kurven. Tempolimit war 120, wir fuhren so ca. 80km/h. Wir wissen beide nicht mehr ob es hinter einer Kurve oder auf gerader Strecke war, jedenfalls fuhren wir relativ weit links, eben auf unserer Spur.

Die Straße war aufgeschüttet und somit etwa 40cm höher als das Strauch- und Grasland daneben. An dieser Stelle entstand eine Kante, wie ein Dünenkamm, zwischen der geraden Straße und dem abfallenden Schotter. Dies war aber schwer zu sehen, da aufgrund der Helligkeit alles gleich aussah. Doch dann befanden sich die linken Reifen plötzlich auf dem abfallenden Schotter und Fabi wollte sie natürlich wieder auf die gerade Fahrbahn bringen und lenkte nach rechts. Dabei zog es die hinteren Reifen nach links weg und um das wiederum auszugleichen lenkte er wieder nach links, wodurch es den hinteren Teil des Autos wieder auf die Straße zog, wir aber vorne schlitterten. So erklären wir uns zumindest den Unfallhergang. Unser Auto überschlug sich dann fast zwei mal und blieb auf meiner Seite liegen. Das ging alles so schnell. Plötzlich sahen wir nur noch Sträucher, hörten dumpfe Schläge und zersplitterndes Glas. Dann lagen wir schräg da, von den Gurten die ganze Zeit über fest in den Sitz gezerrt. Alles, was vorne im Auto lag, iPad, Tasche, Handys, Ladekabel… lag zusammen mit jeder Menge Staub auf dem Beifahrerfenster auf dem Boden. Die Musik lief noch und das passte jetzt so gar nicht. Zuallererst schauten wir uns an und fragten ob es dem anderen gut geht, die Antwort von uns beiden war Gott sei Dank “ja”. Hinzu kam der allgemeine Schockzustand. Der Schock über das Bewusstsein, dass wir gerade einen schlimmen Unfall hatten, wir mitten im Nirgendwo sind, das Auto nicht auf den Reifen steht und wir somit erstmal nicht wussten, wie wir wieder aus ihm heraus kommen sollten. Fabi schnallte sich ab, stand auf die Nackenstütze und die Mittelkonsole und drückte mit aller Kraft die verbogene, knarzende Tür in die Luft. Er musste die Tür die ganze Zeit halten, was das Aussteigen für uns beide kompliziert machte, denn irgendwie hätte er sie auch für mich halten müssen. Ich richtete mich auch auf, stand ebenfalls auf irgendwas und wir schauten beide aus dem Auto. Wenige Augenblicke später hörten wir schon ein Auto Näherkommen. Wir winkten und sie haben uns zum Glück gesehen und hielten an. Wenig später kam das zweite Auto, es waren zwei Ehepaare aus Namibia, die ebenfalls aus dem Park kamen und auf dem Weg nach Hause waren. Sie halfen uns aus dem Auto, brachten uns zwei Stühle und setzten uns mit Zuckerwasser in den Schatten. Diese Menschen, Rae & Johan und Jan & Denise, waren das Beste was uns passieren konnte! Jan fuhr zur nächsten Farm und holte den Farmer und einen Angestellten mit einem 4×4. Sie wechselten einen kaputten Reifen und zogen das Auto wieder auf alle vier Räder. Johan bastelte uns derweil eine provisorische Halskrause aus einem Handtuch und einer Poolnudel, da Fabi seinen Kopf nicht bewegen konnte und ich starke Kopfschmerzen hatte. Das Auto hatte an meiner Stelle auch eine ziemliche Delle im Dach.

img_1178 Dann räumten wir alle unsere Sachen aus dem Auto und fuhren nach Gochas, dem nächsten Dorf. Jan fuhr unser Auto, das komischerweise noch fahrfähig war. In Gochas ging Johan mit uns zur Polizei, wo wir Ewigkeiten damit verbrachten Fragen zu beantworten und zu warten bis der Officer in aller Seelenruhe sein zehnseitiges Protokoll ausgefüllt hatte. Wir waren mehr als froh, als wir endlich wieder im Auto nach Mariental saßen. Unser kaputtes Auto ließen wir in Gochas beim Hotel, wo unser Vermieter es abholen würde. Jan hatte das alles geklärt und die ganzen Telefonate geführt. Rae und Johan nahmen uns bei sich in Mariental auf, sie sind die Besitzer des dortigen Spar Supermarktes. Sie brachten uns zu einem alten, lieben Doktor, der unsere Wirbelsäule untersuchte. Wir waren einfach nur froh als wir nach diesem Tag in einem schönen Bett lagen, endlich zuhause anrufen und einander in den Arm nehmen konnten. Es ist jedenfalls ein sehr prägendes Gefühl, zu merken wie schnell alles vorbei sein kann. Von einer Sekunde auf die nächste. Wir sind jetzt einfach dankbar. Für die Schutzengel und die wundervollen Menschen, die uns danach zur Hilfe kamen und uns so liebevoll versorgt und aufgenommen haben. Man darf sich gar nicht ausmalen, wie es anders hätte ausgehen können, sonst wird einem schlecht. Es hätte auch ein Baum an dieser Stelle stehen können, jemand hätte verletzt sein können, wir hätten im Auto eingeklemmt oder eingesperrt sein können, auf dieser Straße kommt manchmal ewig niemand vorbei, Netz gibt es nicht und man fährt drei Stunden ins nächste Krankenhaus. Und wirklich jeder hat gesagt, dass wir sehr großes Glück hatten! Solche Unfälle passieren hier leider sehr oft und in den wenigsten Fällen gehen sie so gut aus.
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Am nächsten Morgen halfen die Angestellten Fabi beim Putzen all unserer Sachen, ich war so schwach, dass ich mich kaum bewegen konnte. Ein neues Auto hatte der Vermieter schon in der Nacht direkt vors Haus gebracht und so fuhren wir an diesem Tag damit nach Windhoek. Es war komisch wieder Auto zu fahren, aber die Angst verflüchtigte sich nach und nach. Die Straße war zwar geteert, aber obwohl es die größte Straße im ganzen Land ist, ist sie einspurig und hat absolut keinen Seitenstreifen! In Windhoek empfing uns Denise und brachte uns zu einem hervorragenden deutschen Arzt. Aufgrund meiner Übelkeit und weil sich meine Hände eingeschlafen anfühlten, wollte ich nochmal zu einem Arzt. Ich hatte zwar trotzdem den halben Tag kein Gefühl in den Händen, aber mit meinem Köpfle ist alles ok!:) Jan holte uns dann ab und wir fuhren hinter ihm her, zu sich nach Hause. Die Beiden hatten uns mehr als deutlich zu sich eingeladen. Und als wir vor ihrem Anwesen standen, haben wir diese Gastfreundschaft noch weniger verstanden. Wir befanden uns im “Finkenstein Estate”, einer eingezäunten Siedlung 10km außerhalb von Windhoek. Es ist sowas wie ein Naturreservat, denn es gibt wilde Antilopen und Warzenschweine und dazwischen stehen Villen, eine schöner als die andere. Und die von Jan und Denise war so ziemlich die größte. Innen hat es uns dann erneut die Sprache verschlagen. Alles war riesig, die Flure ewig lang und allgemein sah es aus wie direkt aus einer Design Wohnzeitschrift. Angeschlossen an unser Zimmer befand sich ein wunderschönes Bad mit Aussicht und vom Zimmer aus hatte man die perfekte Sicht auf den Sonnenuntergang und eine Warzenschwein Familie. Zum Abendessen gab es dann noch das Beste Chicken, das wir je gegessen haben!

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Wir verbrachten drei Nächte im Finkenstein Estate, kamen zur Ruhe und wieder zu Kräften und klärten alles mit unserem Vermieter. Am zweiten Abend gab es ein Braai mit Hecht in Aprikosenmarinade, der Beste Fisch aller Zeiten! Allgemein lieben wir diese geselligen Braai Abende! Einfach beisammen sitzen, mit einem Bier in der Hand, Musik im Hintergrund, lachen und sich unterhalten. Und dazu noch herrliches Essen! An diesem Abend war noch ein Kollege von Jan zu Besuch, der uns auch gleich zu sich nach Pretoria eingeladen hat! Diese Gastfreundschaft haut uns echt um.
Zusammenfassend lässt sich zu diesen Tagen sagen:

Wir hatten so viel Pech und so viel mehr Glück!

img_1916img_1157img_1158Dann war es an der Zeit weiter zu reisen. Wir entschieden uns doch nach Swakopmund, dem “Little Germany” zu fahren. In der kleinen Küstenstadt verbrachten wir eine Nacht in einem furchtbar kleinen Hostel und merkten sofort wie wir Hostels einfach nicht leiden können. Die zweite Nacht verbrachten wir daher wieder im Zelt auf einem sehr schönen Campingplatz, dem “Alte Brücke Resort”. Den Tag verbrachten wir mit durch die Straßen schlendern, Kaffee trinken und Braai auf dem Campingplatz. Die Stadt ist ein wenig seltsam, weil Straßen, Geschäfte und Hotels deutsche Namen haben und trotzdem sind wir mitten in Afrika… Am zweiten Morgen sind wir zur höchsten Düne der Welt, der “Dune 7” gefahren. Wir waren die ersten, die hoch liefen, was übrigens sehr sehr anstrengend ist! Schon bald kamen die ersten Schulbusse, für die Schüler ist das wohl der Morgensport.

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1 thought on “Namibia – wie (fast) alles anders kam”

  1. Hallo ihr Lieben,

    beim Lesen dieser Schilderungen läuft es mir noch mal ganz kalt den Rücken runter.
    Ihr habt wirklich unfassbar großes Glück in eurem Unglück gehabt!
    Solche Erfahrungen vergisst man sicher nie mehr…..
    Aber vor allem bleiben euch die guten Erinnerungen!
    Genießt die verbleibenden Afrika-Tage und reist weiter mit einem dicken Paket Um- und Vorsicht – und fahrt nie schneller, als euer Schutzengel fliegen kann….

    Ganz liebe Grüße von Zuhause – Steffen

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