Namibia – Zebras im Etosha und Fußball in Angola

Afrika Namibia Travels

Da wir unsere Übernachtung im Etosha Nationalpark bereits im Voraus gebucht hatten, mussten wir unsere Zelte in Swakopmund bereits nach zwei Tagen wieder abbauen und fuhren am frühen Morgen los. Glücklicherweise konnten wir noch in Windhoek unsere Buchung um 2 Tage nach hinten verschieben, sonst hätte es für Swakopmund überhaupt nicht mehr gereicht. Und bei knapp 40€ für eine Nacht auf dem Campingplatz wollten wir unsere Buchung erst recht nicht platzen lassen. Wie absurd hoch der Preis war, für das was der Platz uns bot, durften wir dann einen Tag später im Park sehen..
Um so näher wir also dem Etosha kamen, desto mehrWir  fielen uns die dunklen Wolken am Himmel auf, die je nördlicher wir fuhren, sich bereits in kurzen Regengüssen entluden. Da wir bisher mit dem Wetter ziemlich gut gefahren sind, dämmerte es uns allmählich, dass die Regenzeit im Etosha angekommen war. So begleitete uns der Regen die meiste Zeit, auch als wir am Abend endlich in der Etosha Safari Lodge vor den Toren des Parks ankamen. Kurz gezittert, ob es für uns noch einen freien Platz gibt, doch wie immer bisher – gar kein Problem. Zu unserer Verwunderung tummelten sich bereits auf dem Campingplatz einige Zebras und Giraffen. So zum anfassen nahe und nicht nur aus dem Auto heraus, wirken die Tiere noch beeindruckender.


Es regnete bis in den späten Abend hinein, weshalb wir uns entschieden hatten die Nacht im Auto zu verbringen, was auch sichtlich zu Janikas Beruhigung beigetragen hat, in Anbetracht der wilden Tiere im Camp ;-). Auf Grund der theoretisch vorkommenden Malaria in dieser Gegend konnten wir auch die Fenster nicht öffnen, weshalb am nächsten Morgen das Auto einer Tropfsteinhöhle glich und ich mir gleich eine Erkältung holte, welche mich auch die nächsten Tage noch begleiten sollte.
So fuhren wir nun in den Etosha und waren endlich wieder auf Safari. Was diesen Park so besonders macht, ist eindeutig die abwechslungsreiche und unglaublich schöne Landschaft, in der die Tiere hier anzutreffen sind. Mal ist alles voller grüner Bäume, dann Savannengrasland, dann abgebrannte Sträucher und immer wieder sieht man den weißen Boden der Salzpfanne, der einen großen Teil des Parks ausmacht. Ganz besonders schön sehen vor diesem Hintergrund die großen Zebra-, Gnu- und Antilopenherden aus. Allgemein waren hier mehr Herden, als einzelne Gruppen an Tieren anzutreffen, ganz im Gegensatz zum Kruger – Nationalpark in Südafrika, in dem man zwar tendenziell häufiger Tiere sieht, diese aber in kleineren Gruppen unterwegs sind.img_2300

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Im Camp Halali angekommen, suchten wir im Pool erst einmal nach der dringend benötigten Erfrischung und am Abend dann setzten wir uns ans angegliederte Wasserloch. Dort trank gerade tatsächlich eine Nashornfamilie und in den darauffolgenden Minuten kamen immer mehr Nashörner hinzu. Da bei den Nashörner immer nur einer der Chef des Wasserlochs sein kann, konnte man wunderbar bestaunen, wie die Männchen versucht haben, das Gegenüber schnaubend in die Flucht zu schlagen.


Der nächste Morgen begann für uns wieder damit, mit den ersten Sonnenstrahlen um 5 Uhr früh aus dem Zelt zu kriechen und die vorerst letzten kühlen Momente des Tages auszukosten. Pünktlich mit dem Öffnen der Gates fuhren wir aus dem Camp und holperten über die zum Teil grauenvollen Straßen. Hier wünschten wir uns wie so häufig ein Allradfahrzeug gemietet zu haben, dem die vielen Schlaglöcher und großen Steine nicht ganz so viel anhaben können :-). Aber auch mit unserem Auto konnten wir viele schöne Herden von Zebras, Gnus und Antilopen bestaunen, die in den Weiden der Salzpfanne grasten. Gegen Mittag verließen den Etosha, um in dem direkt vor den Toren liegenden privaten Game Reserve Onguma unser Zelt aufzuschlagen. Dort hatten wir einen sehr idyllischen Campingplatz mit eigenem Bad und kleiner Küche und zahlten weniger als für den hässlichen Platz im Park.

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Am späten Nachmittag fuhren wir nochmal in den Park rein, direkt ans erste Wasserloch und aßen da zu Abend. Gegenüber spielte eine Schakal – Familie und wir wollten schon gehen um rechtzeitig am Gate zu sein, da kam ein einzelner Elefant daher :-). Wir schauten ihm beim trinken zu, bis wir wirklich gehen mussten. Was für ein schöner Abschluss vom Etosha! Eigentlich hatten wir einen Tag länger hier geplant, aber wir hatten einfach keine Lust mehr auf die Straßen.

img_2537Zurück in der Lodge, setzten wir uns dort erneut an deren privates Wasserloch, das nachts auch beleuchtet wird und nutzten das gute WLAN. Außer uns waren noch zwei andere Paare da, die ins Gespräch oder in ihre Handys vertieft waren. Und so verging der Abend und Janika vergas glücklicherweise nicht, gelegentlich einen Blick aufs Wasserloch zu werfen: denn plötzlich flüsterte sie zu mir “du, da kommt etwas am Wasserloch!”. Gespannt sahen wir nun beide hinüber und bei genauerem hinsehen erkannte man nun, dass sie einen Leoparden entdeckt hatte! Es war schon dunkel, doch er lief direkt ins Licht und trank. Wie dieses schöne, grazile Tier plötzlich auftaucht, trinkt und hinter einem großen Stein verschwindet. Das werden wir wohl nie vergessen, denn insbesondere für Janika ging damit ein kleiner Traum in Erfüllung. Alle schauten nun durch ihre Ferngläser und waren ganz gebannt. Leoparden bekommt man so selten zu Gesicht. Sogar der Lodgebesitzer hat hier noch nie einen gesehen! Und wir waren schon ganz traurig, weil wir in insgesamt acht Wochen Afrika in diesem Jahr noch keinen gesehen hatten. Und dann läuft der uns einfach an unserem letzten Safariabend direkt vor die Nase! Fotos gibts davon keine, denn die Kamera hatten wir nicht dabei und sowieso ging alles so schnell, dass wir es lieber so beobachten wollten. Es bleibt jedenfalls ein unvergessliches Erlebnis!img_2588

Am nächsten Morgen begaben wir uns mal wieder auf große Fahrt. Fünf Stunden noch weiter in den Norden nach Rundu standen an. Schon 40km vor der Stadt säumten kleine Dörfer den Weg. Kleine, runde Häuser mit Strohdach und dazwischen jede Menge Kinder und Frauen bei der Hausarbeit. Von außen schien es uns, als würde es den Menschen recht gut gehen, sie waren gut gekleidet, es sah sauber aus und die Häuser sind in gutem Zustand. Zumindest im Vergleich zu den Townships in den Städten in Südafrika, wo tausende Menschen auf kleinstem Raum zusammenleben, haben diese Menschen hier zwar ein einfaches, aber recht gutes Leben.
Unsere Unterkunft an diesem Tag buchten wir bereits im Voraus, denn heute sollte es mal wieder ein festes Bett für uns sein :-). Über eine holprige Straße erreichten wir schließlich gegen Nachmittag das Mukuku Rest Camp, bei Rundu gelegen. Die Eigentümer waren etwas überrascht, ob unserer Gegenwart, denn eigentlich rechneten sie nicht mit Gästen heute. Offenbar hat das Internet an diesem Tag noch nicht so gut funktioniert, sodass unsere Buchung nicht durchkam. Dennoch hatten sie ein wunderschönes kleines “Open-Air” Zimmer für uns, mit Blick auf den Okavango-River. Besonders urig war das Bad, dessen Wände aus Moskitonetz bzw. Glas bestehen, sodass man sich beim Duschen wie in Freien fühlt.

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Wir fragten gleich, ob wir diesen Abend noch eine Sundowner Fahrt auf dem Fluss machen könnten und der Eigentümer Hannes willigte sofort ein. So ging es etwas später mit seinem Boot direkt auf den Fluss und wir konnten einige schöne Vögel beobachten. Fischern in ihren Mokoros (traditionelle Einbaum-Boote, ähnlich wie ein Stocherkahn, nur wackeliger), die nach der Aussage Hannes hier illegal fischen, begegneten wir auch gelegentlich. Hannes fragte uns, ob wir nicht Lust auf einen kleinen Ausflug nach Angola hätten. Denn man muss wissen, dass der Okavango-River die Länder Namibia und Angola trennt, man also bei einer Flussfahrt direkt auf der Grenze unterwegs ist. Obwohl es im Grunde ein illegaler Grenzübertritt ist, wenn man auf diesem Wege nach Angola gelangt, meinte Hannes, dass es kein Problem ist denn er kennt den örtlichen Polizeichef..na dann :-). Also legten wir einige Minuten später an der angolanischen Seite an und gingen einige Meter zum Dorf, wo gerade die örtliche Fußballmannschaft trainierte. Man erzählte uns, dass das dazugehörende Trainingszentrum und die Schule von den Chinesen gesponsert wurde, ein Schelm der Böses dabei denkt ;-). Hannes erzählte uns noch einige Dinge über das örtliche Dorf und dass er sich immer mal wieder um die Leute dort kümmert, indem er zum Beispiel Lebensmittel vorbei bringt oder nach den kleinsten Kindern dort schaut. Das Dorf wird von einer Frau geleitet, denn laut Gesetz sind Frauen und Männer gleichberechtigt. Um zur Schule, in die Kirche oder zum Einkaufen zu gehen, müssen die Menschen über den Fluss, denn auf der Angolischen Seite gibt es quasi nichts. Wir schauten den Jungs, groß und klein beim Fußball spielen zu, eines der wenigen Dinge, das alle verbindet. Zum Sonnenuntergang fuhren wir dann wieder auf den Fluss hinaus und Hannes erzählte uns viele interessante Fakten über die Beziehung der Länder, die politische Lage und die Fischerei. Es war ein bewegender und wunderschöner Ausflug!

Die Polizei Station in Angola:)

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Abends saßen wir noch mit Hannes an der Bar zusammen und redeten mal wieder über die Probleme Afrikas. Ein Thema ohne Ende. Er erzählte uns viel über das Leben der Menschen in den bereits erwähnten Hütten vor der Stadt. Die Frauen sind nichts wert, müssen auf dem Boden sitzen, während die Männer es sich auf Stühlen gemütlich machen. Die Frauen sind aber für alles verantwortlich. Für die Kinder, die Kleidung, das Feld, kochen, Mehl mahlen… Die Männer haben genau drei Aufgaben: Wohnort aussuchen, Acker pflügen und Babys machen. Den Tag verbringen die Männer mit einem Drink hier und da und “Kaffeklatsch” mit anderen Männern. Logisch zu erklären ist die Missachtung der Frau, die wirklich alles am Laufen hält, aus unserer westlichen Sicht nicht. Wir sprachen auch über die Faulheit, die uns insbesondere bei dem schwarzen Menschen sehr oft begegnet ist. Die Kassierer im Supermarkt würden im Aldi nach einer Minute gefeuert werden. So langsam kann man sich eigentlich gar nicht bewegen! Sehr viele, die in den Nationalparks arbeiten, in klimatisierten Räumen sitzen und eigentlich nichts zu tun haben, sind total unfreundlich und rühren keinen Finger zu viel. Sie haben überhaupt kein Bock zu arbeiten. Und das, wo so viele Menschen im Land gerne arbeiten würden! Wir finden das undankbar und unverständlich.

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Hannes erzählte uns, dass einmal zwei aus der örtlichen Fußball Mannschaft zu ihm kamen und fragten ob er nicht für die ganze Gruppe ein neues Outfit kaufen könnte. Er erwiderte, dass ihn das viel Geld kostet, aber die Mannschaft könnte ihm beim Bau eines Anlegeplatzes für sein Boot helfen und dann würden sie ein neues Outfit bekommen. Sie meinten daraufhin, dass das aber viel Arbeit sei und sie das erst mit den anderen Jungs besprechen müssten. Sie kamen nie wieder. Er hat daraufhin zwei Männer für zehn Tage bezahlt um die Arbeit zu verrichten. Die 11 köpfige Mannschaft hatte also zwei Tage gebraucht, doch das war es ihnen nicht wert um dafür komplett neue Kleidung zu bekommen. Das bestätigt das Bild, das alle Weißen, die wir bisher kennengelernt haben, von den Schwarzen haben. Sie können nur die Hände aufhalten, wollen aber nichts dafür tun…

img_2055img_2056Hannes ist definitiv einer der wunderbarsten Menschen, denen wir je begegnet sind! Er hat so ein großes Herz für die Armen in seiner Umgebung, hat aus dem Nichts ein Anwesen mit so viel Liebe zum Detail erschaffen und nimmt sich unendlich viel Zeit für seine Gäste, um ihnen Afrika näher zu bringen und mehr aus ihren Herkunftsländern zu erfahren. Wir verließen Rundu berührt und mit vollem Herzen. Kinder am Straßenrand winkten uns fröhlich zu.

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