USA – Im Wohnmobil durch den Joshua Tree NP

Amerika & Mexiko Roadtrip Travels

Wenn uns jemand vor einiger Zeit erzählt hätte, dass es möglich ist für 1€ am Tag ein Wohnmobil in den USA zu mieten, dann hätten wir das wohl für einen Scherz gehalten. Und auch als wir in Los Angeles bei der Wohnmobilvermietung angekommen sind, wollten wir uns am liebsten kneifen, so absurd schön war das Ganze. Wir konnten es immer noch kaum glauben, welches große (im wahrsten Sinne des Wortes) ‘Geschenk’ wir da bekommen hatten. Es war wie Weihnachten und Ostern zusammen, mit dem Unterschied, dass die Bescherung keine Überraschung mehr war. Und leider war das Wohnmobil auch nicht wirklich ein Geschenk, sondern lediglich für vier Tage ausgeliehen, aber das reichte schon um unseren Endorphin-Spiegel ins Unermessliche steigen zu lassen. Entgegen der Annahme, ein Wohnmobil würde unser Budget sprengen, blieben am Ende des Tages von unseren einkalkulierten 60€ sogar noch 59€ für Essen übrig. Das kam uns sehr gelegen, denn es ist in den USA überhaupt nicht schwer diesen Betrag auch tatsächlich allein für Essen auszugeben.

Der Clou an diesem Schnäppchen nennt sich Car-Relocation. Das Wohnmobil musste nämlich von Los Angeles nach San Francisco gebracht werden, genau wie wir. Wir taten der Vermietung sozusagen sogar einen Gefallen, daher der symbolische Preis von einem Euro pro Tag. Für die Fahrt hatten wir knapp vier Tage Zeit, zudem gab es noch 100€ fürs Tanken! Nach drei Tagen in der Stadt der Engel machten wir uns auf zur Vermietung, wo wir ein 30-minütiges Einweisungsvideo für das Haus auf Rädern zu sehen bekamen. Da waren wir erstmal ziemlich überfordert. Der Generator ist für dies und das zuständig, dies und das läuft mit Batterie, das soll man tun wenn der Gasalarm los geht, so richtet man das Wohnmobil gerade aus… Unzählige Dinge auf die man achten sollte. Fabi war zwar schon mehrmals mit einem Wohnmobil unterwegs, doch die ganzen Aufgaben erledigten damals natürlich die Eltern. Wird’ schon gut gehen, so schwer kann das ja nicht sein, dachten wir uns und unterschrieben schnell die Papiere.

Wir hatten noch absolut keinen Plan wo es hin gehen soll, wir wussten nur dass es etwas cooles sein sollte. Eine der schönsten Strecken Amerikas verläuft zwischen Los Angeles und San Francisco an der Küste den Highway 1 entlang durch den Nationalpark Big Sur. Leider gab es dort schlimme Überschwemmungen, so dass die Straße komplett gesperrt war. In den Nationalparks die entlang der Strecke im Landesinneren liegen, (wie zB. der Yosemite Nationalpark) ist es im Winter super kalt. Zum einen waren wir dafür nicht richtig ausgerüstet und ein Wohnmobil auf spiegelglatten Straßen klang auch nicht sehr verlockend. Also entschieden wir uns gen Süden in die sonnige Wüste zu fahren, in den Joshua Tree Nationalpark.

Im Büro der Vermietung googelten wir noch schnell nach den Öffnungszeiten, Übernachtungsmöglichkeiten vor und in dem Park. Wir mussten lachen. So etwas hatte die Frau sicher auch noch nicht erlebt, dass Kunden bei der Abholung schnell noch ihren Urlaub planen! 😀 Dann nahmen wir endlich unser neues Zuhause entgegen, wir waren froh ein so kleines Exemplar zugeteilt bekommen zu haben. Es hätte nämlich auch ein riesiges Luxus-Mobil werden können, das uns auf den Straßen aber sicherlich (noch mehr) überfordert hätte. Nun ging es also endlich los und wir waren voller Vorfreude! Es lagen drei Tage vor uns, und wir wussten, dass sie herrlich werden würden, wir hatten das einfach im Gefühl. 🙂

Von der Vermietung aus ging es auf den Highway, wir wurden damit direkt ins kalte Wasser geworfen. Die Spuren waren hundertprozentig schmaler als bei uns. An vielen Baustellen gab es Beton Mauern als Abgrenzung, die es nicht zu streifen galt. Und die Amis fahren bei weitem nicht so zivilisiert wie wir das aus Deutschland kennen! Es wird nämlich von rechts und von links überholt! Fabi war eigentlich schon genug damit beschäftigt den Koloss auf der Spur zu halten, musste aber noch all die Autos im Blick haben, die von allen Seiten überholten. Ich hatte den Abstand zur Beton Mauer auf meiner Seite im Blick und versuchte uns über etliche Aus- und Einfahrten von einen Highway über den nächsten Freeway hinaus aus der Stadt zu führen. Manchmal ging es schief und wir mussten mit dem Gefährt umdrehen. Als dann endlich der Verkehr ruhiger wurde, drehten wir das Radio auf und hörten Country und Rock im Radio. Herrlich! Es wurde langsam dunkel. So ein weites, riesiges Land! Ein Einkaufskomplex am nächsten, riesige Städte, alles voller bunter Lichter und Fastfood Restaurants. Wir genossen jede Meile. Dennoch waren wir froh am Ziel anzukommen: dem Walmart in Yucca Valley. Unser “Campingplatz” für die Nacht. Anfangs kam es uns noch komisch vor auf einem Supermarkt Parkplatz zu schlafen, doch sobald man die Vorhänge zu zog, bekam man von der Umgebung sowieso nichts mehr mit, dann war es auch egal wo man stand.

Natürlich tätigten wir auch noch einen abendlichen Einkauf im Walmart, der 24 Stunden geöffnet hat. Mensch ist der riesig! Passend dazu gibt es natürlich Konserven, Chipstüten, Fertiggerichte und Kekspackungen in der Größe für den Restaurantbedarf, die uns nur den Kopf haben schütteln lassen. Der Laden erfüllt tatsächlich alle Vorurteile, die man so von Amerika hat, inkl. McDonald’s am Eingang. Generell fanden wir alles unfassbar teuer, so als würde man im Bio-Öko-Laden in Deutschland Einkaufen. Das Obst und Gemüse (z.B kleine Packung Heidelbeeren 4-5$!), gesundes Müsli, sogar Süßigkeiten und Fertiggerichte fanden wir teuer. Am absurdesten war aber die Abteilung mit bereits geschnittenem Obst, es gibt da allen Ernstes eine Tüte mit Apfelschnitzen von vielleicht drei Äpfeln für sage und schreibe 6$!! Und anscheinend gibt es tatsächlich Menschen, die das kaufen! Da konnten wir nur erneut fassungslos den Kopf schütteln. So ein Walmart Besuch ist also definitiv ein Erlebnis für sich. Wir haben uns dann für Salat (der kann fertig gezupft schnell mal 4$ kosten) und Spaghetti mit Alfredo Soße entschieden, die wir dann in unserer eigenen kleinen Küche zubereiteten. Hier konnten wir mal wieder unsere Campingausrüstung gebrauchen, denn das Wohnmobil war komplett leer. Bettwäsche, Handtücher und Küchenausstattung hätten wir dazu buchen müssen. Wir sind mit unseren Schlafsäcken, Topf und Besteck jedoch bestens ausgestattet gewesen.


Es war ein ganz gemütlicher Abend in unserer Miniatur Wohnung und wir merkten sofort wie sehr uns das Reisen mit Wohnmobil gefällt. Sofort schmiedeten wir Pläne für zukünftige Roadtrips. Jetzt sind wir schon vier Monate auf Reisen und die Reiselust hat nicht nachgelassen, ganz im Gegenteil: die Liste an Ländern, die wir bereisen und Abenteuer, die wir erleben wollen, wird eher länger als kürzer.

Am nächsten Morgen frühstückten wir bei IHop, dem Fastfood Frühstücksrestaurant. Wir hatten Pancake und French Toast, alles mit reichlich Sirup. Dazu heiße Schokolade, die leider mit unfassbar süßer Sahne serviert wurde, sodass ich kaum was von ihr trinken konnte, ohne dass mir davon schlecht wurde. Für dieses Frühstück haben wir, man glaubt es kaum, 25$ bezahlt! In Amerika kommen zum angegebenen Preis auch immer noch 20% Trinkgeld dazu, zumindest wünscht man sich das. Das lässt die Rechnung dann nochmal teurer werden. Zum Glück kostete unser Womo ja nur 1€ am Tag! 🙂

Dann fuhren wir die letzten Meilen bis zum Joshua Tree Nationalpark. Wir hatten mal wieder Glück, es war Presidents-Day (nein das hat nicht der aktuelle Amtsinhaber zu seinen Ehren eingeführt), deshalb war der Eintritt umsonst. Natürlich waren aufgrund des Feiertags viele Menschen im Park, aber wir empfanden das nicht als störend und konnten trotzdem die schöne Natur genießen. Schon vor dem Park säumten erste “Joshua Trees” den Weg. “Slow down and enjoy the view” wird auf einem Schild empfohlen. Zurecht! Die Natur ist absolut einzigartig hier. Wüstenähnlich, trocken, mit Bergen, die aus runden Felsen bestehen und unzählige Bäumen in dieser absurden, schönen Form und dazwischen viele, viele Kakteen Arten. Wir hielten hier und da an und versuchten die Schönheit auf Fotos einzufangen. Auch eine kleine Wanderung unternahmen wir durch das weite Land.

Ganz spontan entschieden wir uns hier noch eine Nacht zu verbringen, es war einfach zu schön. Wir wollten den Sonnenuntergang, den Sternenhimmel und den Sonnenaufgang sehen. Am nächsten Tag müssten wir dann die ganze Strecke bis nach San Francisco auf einmal zurück legen. Unser einziges Problem war, dass wir nicht eingekauft hatten und der Weg zurück zum Supermarkt wäre zu weit gewesen. Also kramten wir alles Essbare aus den Rucksäcken und siehe da: wir hatten noch eine Nudelsuppe, die wir mal als Proviant für die Wanderung im Torres del Paine in Patagonien gekauft hatten und seither mit uns herum trugen. Dazu gab es “Galletas con Aqua”, Wasserkekse, die ebenfalls schon seit längerem Platz im Rucksack raubten, wir hatten sie vor der Jeep Tour durch die Salar de Uyuni gekauft, aus Angst es könnte zu wenig zu Essen geben und wir würden einsam verhungern. Tja irgendwann braucht man immer alles. Die restliche Alfredo Soße diente als Dip und als Beilage gab es wieder Salat. Yummy 🙂

Nach einem wunderschönen Sonnenuntergang wollten wir uns nachts den grandiosen Sternenhimmel in der Wüste nicht entgehen lassen. Wir packten uns warm ein und bahnten uns einen Weg durch die steinige Landschaft hinter unserem Womo. Es sah wirklich beeindruckend aus, die Milchstraße war direkt über uns. Wir machten ein paar Aufnahmen, aber es gelangen uns nur wenige, wo in den 20 Sekunden kein Flugzeug durchs Bild flog. Es blinkte überall am Himmel, willkommen in Amerika.

Für den Sonnenaufgang krochen wir wieder aus dem Wohnmobil. Der Himmel glühte schon in allen Tönen von Gelb bis Pink. Wir rannten also los und suchten uns ein schönes Plätzchen. Inzwischen stand der ganze Himmel in Flammen. So schön wie sich die Sonne jeden Abend würdevoll verabschiedet und morgens wieder majestätisch in all ihrer Schönheit erscheint. Und manchmal, so wie in diesen Tagen, bekommen wir Plätze in der ersten Reihe für die kostenlosen Naturspektakel da draußen.
Wir dachten eigentlich die Sonne wäre längst hinter dem Berg aufgegangen doch plötzlich tauchte sie blutrot hinter den Wolken auf. Die warmen ersten Strahlen ließen wir uns ins Gesicht scheinen und genossen den Augenblick.

Dann machten wir uns auf den weiten Weg bis nach San Francisco. Frühstück gab es heute bei McDonald’s, lecker! 🙂 Diesmal durfte ich unser großes Gefährt steuern! Und es hat mir so viel Spaß gemacht über die unendlichen Straßen zu brausen, dass wir uns fast schon stritten wer fahren darf! Ach ja ihr merkt vielleicht, wir liebten jede Sekunde unseres Roadtrips!

Mittagspause machten wir dann beim legendären In ‘n Out, Einem Fast Food Restaurant bei dem es nur drei verschiedene Burger und Pommes gibt. Alles wird frisch zubereitet, wir sahen sogar Salatköpfe in der Küche. ‘Quality you can taste!’, wie der Slogan so schön heißt. Es war tatsächlich der Beste Fast-Food Burger, den wir jemals gegessen hatten.


Gegen Abend durfte dann ich wieder fahren. Es ging auf San Francisco zu, wurde langsam dunkel, es fing an zu regnen und die Straßen wurden immer schlechter. Teilweise rasten wir mit 90km/h in riesige Schlaglöcher, mitten auf dem Highway. Wir konnten es kaum fassen. Da waren die Straßen überall in Afrika besser. In San Francisco wurde es dann so richtig schlimm! Die rechte Spur war schlechter als ein Feldweg, also konnte ich da nicht fahren. Die zweite Spur war nur teilweise besser, manchmal aber auch katastrophal, so dass ich noch eine weiter links fahren musste und mich die LKW und Autos nun von rechts und links überholten. Die Spuren waren für das Womo total schmal, man konnte zudem kaum die Markierung zwischen den vier oder fünf Spuren sehen, es ging den Berg runter und es regnete in Strömen. Eigentlich krallte ich einfach nur das Lenkrad fest und versuchte einigermaßen auf der Spur zu bleiben. Schlaglöchern auszuweichen war unmöglich, denn wie gesagt, die Trucks kamen von beiden Seiten. Wir waren heilfroh endlich bei unserem ausgewählten Walmart anzukommen und dort schlafen zu können.

Am nächsten Morgen machten wir uns auf die Suche nach einer Möglichkeit unser Abwasser los zu werden. Letztendlich zahlten wir dafür 25$! Naja uns blieb nichts anderes übrig. Danach wurden noch schnell ein paar Galonen Benzin in den Tank gefüllt und dann war die Zeit in unserem liebgewonnenen Wohnmobil auch schon vorbei. Um unseren 100€ Tankgutschein abzuholen, mussten wir noch kurz ins Büro. Dort empfing uns ein netter indisch aussehender Herr, der Deutsch mit leichtem Akzent sprach. Er fragte uns woher wir kommen. ‘Stuttgart’ – ‘Wo in Stuttgart?’ – ‘Tübingen’ – ‘Direkt aus Tübingen?’ – ‘Nein aus Ammerbuch und Gomaringen’ – ‘Oh wo in Ammerbuch?’ – ‘Reusten’ – ‘Oh ich kenne Reusten! Ich habe früher mit meinem Bruder in Entringen gelebt!’ Das ist doch echt verrückt! Die Welt ist manchmal so klein! Wir unterhielten uns über Bars und Cafés in Tübingen, er geht immer in die Tangente Jour. Ich hab ihm dann gleich mal das Il Dolce empfohlen. 😀 Geboren ist er in Indien dann kam er nach Deutschland, dort leben jetzt noch seine Geschwister, er ging dann irgendwann in die USA und hat da jetzt seine Familie. In ein Paar Wochen würde er nach Deutschland fliegen und seinen Bruder in Ammerbuch besuchen. Das war echt eine lustige Begegnung!

Von unseren Erlebnissen in den beiden Städten Los Angeles und San Francisco berichten wir dann beim nächsten mal.

(Wir sind momentan sehr beschäftigt mit Reisen in Indonesien, entschuldigt also das Warten 🙂 )

6 thoughts on “USA – Im Wohnmobil durch den Joshua Tree NP”

  1. Da habt ihr wirklich ein tolles Erlebnis gehabt!

    Neben dem Glück, für sehr wenig Geld ein so komfortables Verkehrsmittel bekommen zu haben, habt ihr nach vielen Wochen spartanischem Rucksacktourismus jetzt einen (kurzen) Eindruck bekommen, wie angenehmer Komfort sich mit wunderbarem Natur-Erleben ideal kombinieren lässt.

    Die Nähe zur Natur, die ihr “trotz” der schützenden Hülle des Womos erleben konntet, habt ihr sehr schön beschrieben. Wir kennen dieses Gefühl ja nur zu gut… 😉

    Und: was machen da ein paar Schlaglöcher in der Straße am Ende der Reise durch den wilden Westen, wenn man sich dann plötzlich mit einem amerikanischen Inder gedanklich in Entringen oder im Il Dolce trifft?

    Jeden Abschnitt dieses Teils eurer Reise mit-genießend grüßt euch herzlich
    Steffen

  2. Coole Kiste! Ja, da stimme ich Steffen voll und ganz zu. Es gibt nichts schöneres, als mit dem Womo unterwegs zu sein. Wenn alles voll gut geht, sitzen wir spätestens am 7. Mai im Landy und fahren für fünf Wochen Richtung Spanien.

    Euch beiden noch viele schöne Eindrücke und spannende Geschichten!

    1. Wir sind gerade in Neuseeland in einem Camper Van unterwegs und müssen zum Kochen, Spülen, Zähne putzen etc. immer raus ins Kalte. Da ist ein Womo schon viel komfortabler! Deshalb haben wir uns für letzten drei Wochen in NZ einen High Top Camper gemietet, da können wir dann im Warmen bleiben:)
      Dann geht es ja schon ganz bald bei Euch los! Wir haben die Bilder vom Landy gesehen, ziemlich cooles Teil habt ihr da!

      Liebe Grüße!

  3. die Nationalparks in Amiland sind schon klasse…Eure Bilder beweisen es mal wieder. Neid: ich will auch hin 😉
    Nicht vergessen: Levis Jeans kosten in USA nur 40 EUR bei Sears, Macy’s etc.
    LG

    1. Das war leider unser einziger Nationalpark in den USA, aber es macht schon Lust auf mehr! Und zum shoppen bin ich leider nicht so wirklich gekommen..:( inzwischen sind wir auch schon in Neuseeland, da ist uns Levis bestimmt zu teuer 😀 Vielen Dank für die Grüße aus der Heimat!

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