USA – vier Tage in L.A. und San Francisco

Amerika & Mexiko Roadtrip Travels

In Los Angeles waren wir zum ersten Mal seit langem wieder in der westlichen Zivilisation. Es hat total gut getan in so einem Land unterwegs zu sein und nicht nur Pollo (Hühnchen) con Arroz (Reis) und Pollo con Papa Frittas (Pommes) an jeder Ecke angeboten zu bekommen. Hier in den USA haben wir uns jeden Morgen ein ganz besonders leckeres Frühstück gegönnt und waren auch abends nochmal ordentlich essen. Besonders ich habe jeden Löffel meines morgendlichen Müslis genossen. Endlich kein labbriges Brötchen mit salziger Butter oder viel zu süßer Marmelade mehr! (in manchen Unterkünften in Südamerika bekamen wir zum Frühstück zwar auch mal leckere Pancakes, aber das war schon die Ausnahme). Es gab nun wieder feste Preise in den Läden, die Menschen waren wieder “normal” angezogen, Spanisch hörte man zwar immer noch oft, jedoch konnten wir uns endlich wieder mit den Menschen in gutem Englisch unterhalten. Wir mussten uns allerdings schleunigst abgewöhnen ‘Hola’ zur Begrüßung zu sagen und erst einmal zu fragen ob das Gegenüber eigentlich Englisch spricht. Das ist in Amerika vielleicht etwas peinlich. 🙂 
Dies alles hat mein Grund-Wohlbefinden schon erheblich gesteigert und dazu geführt dass wir uns beide erheblich wohler und wieder mehr am richtigen Ort gefühlt haben.

Wie teuer LA und auch San Francisco ist, wurde uns schlagartig bewusst als wir uns im Internet nach einem Hostel umsahen. Mit 30 Dollar pro Nacht und pro Person im Dorm mussten wir wohl rechnen. Aus Südamerika kommend lag das exorbitant über den von uns gewohnten 15 Euro für ein Doppelzimmer. Wir versuchten es also mit der kostenlosen Alternative: Couchsurfing. Es wollte aber einfach nicht klappen. Entweder war die Couch schon belegt oder die Anbieter wollten keine Pärchen aufnehmen um Drama zu vermeiden. Da wir abends in L.A. landeten verbrachten wir die Nacht am Flughafen. Morgens schrieben wir dann in eine ‘Notfall-Gruppe’, wir bräuchten dringend eine Couch, da wir am Flughafen gestrandet sind. Daraufhin meldete sich Bernie, dessen Angebot wir dankend annahmen. Bernie war ein etwas komischer Kauz, aber eigentlich ganz nett. Gleich am ersten Abend erzählte er uns beim Essen private, dramatische Geschichten, was uns ziemlich überforderte, schließlich war er uns ja völlig fremd. Wir hatten das Gefühl, er nutzt Couchsurfing seit dem Tod seiner Frau um nicht alleine im Haus zu sein. Am nächsten Morgen konnten wir dem sehr gesprächigen Bernie entfliehen und in die Stadt fahren. Eigentlich wollte er mit uns ein bisschen shoppen gehen, aber wir konnten das zum Glück verhindern! 😀 Wir suchten uns erstmal einen netten Ort zum Frühstücken und schlenderten dann die Melrose Avenue entlang durch einige Second Hand Shops. 

Für das Abendessen fuhren wir mit dem Bus einmal halb durch das schöne Los Angeles in das Viertel ‘Little Tokyo’, dort reiht sich ein Sushi Restaurant ans nächste. Wir waren aber hier um Ramen zu essen, wofür das beste Restaurant wohl ‘Mr.Ramen’ heißt, wo wir nach einer Weile Warten auch einen Tisch bekamen. Ramen 🍜 ist eine japanische Nudelsuppe mit allerlei wählbaren Zutaten. Es hört sich vielleicht unspektakulär an, ist aber sehr lecker und sehr zu empfehlen! Danach fuhren wir mit der Bahn erneut durch halb L.A. bis nach Pasadena wo Bernie lebt und übrigens auch the Big Bang Theory spielt.

Auch den Venice Beach wollten wir in unserer kurzen Zeit in L.A. besuchen. Nach dem Frühstück schauten wir dort den Skatern zu, liefen am Strand entlang und fotografierten das berühmte Venice Sign. Der Stadtteil hat uns mit seinem coolen ‘Vibe’ sofort gefallen! Leider hatten wir viel zu wenig Zeit, denn wir mussten uns auf den Weg machen um unser Womo in Empfang zu nehmen.

Aber die Geschichte kennt ihr ja schon.

Nach unserem viel zu kurzen Roadtrip mit dem Wohnmobil kamen wir in San Francisco an. Auch hier hatten wir nur eineinhalb Tage, bis der Flug nach Bali ging. Die Zeit füllten wir mit ein wenig shoppen (natürlich 🙂 ) und durch die Stadt schlendern. Im Gegensatz zu L.A. ist San Francisco nicht sehr groß, zumindest beschränkt sich die Innenstadt auf ein erlaufbares Gebiet. Es ranken die modernen, gläsernen Wolkenkratzer neben wunderschönen Altbauten in die Höhe. Auch unser Hotel war in einem dieser ganz alten Gebäude, mit dunkelrotem Teppichboden, dunklen Holzmöbeln und knarzenden Treppen. Diese alten Bauten mit ihren schönen Feuerleitern tragen enorm zum Charme der Stadt bei und ich konnte gar nicht aufhören sie zu fotografieren.

Wir schlenderten dann weiter durch Chinatown und schon die kurze Zeit dort reichte, um zu wissen, dass wir in China mangels ungenießbaren Lebensmitteln wohl verhungern müssten.

Schließlich kamen wir bei der sehr charmanten Fisherman’s Wharf heraus, von wo wir einen Blick auf Alcatraz werfen konnten. Die ehemalige Gefängnisinsel ist eigentlich so nah an der Stadt, doch eisiges Wasser und starke Strömung machten eine Flucht unmöglich. Natürlich wurden wir sofort an Robben Island in Südafrika erinnert, mit dem Unterschied, dass in Alcatraz wirkliche Verbrecher saßen.

Eins der berühmten Cable Cars.

Unser Stadtspaziergang ging weiter über die unzähligen Hügel bergauf und bergab, bis wir schließlich bei der Lombard Street ankamen. Die steile, kurvige Straße wurde nicht nur von uns, sondern natürlich auch von duzenden anderen fotografiert.

Wir schlenderten im wunderschönen Abendlicht noch über ein paar Hügel und nahmen uns dann ein Uber zur Golden Gate Bridge. Aus der Ferne hatten wir sie zwar schon mehrmals erspäht, wollten aber noch einen Blick von Nahem auf sie werfen. Schön ist diese Brücke ja schon, das muss man sagen. Inzwischen war es eisig kalt weshalb wir uns schnell ins nächste Uber setzten und uns bis zum Hotel kutschieren ließen.

Während dieser Fahrt kam ich mir vor wie im Film. Ich konnte mich nur nicht recht zwischen der Perspektive entscheiden, entweder war ich selbst im Film oder ich schaute mir den Film von außen an. Es lief wunderschöne Musik im Auto, draußen wurde es immer dunkler, manche Leute sitzen noch im beleuchteten Starbucks am Laptop, andere holen sich das Abendessen to go beim Chinesen. Wieder andere kommen gerade von der Arbeit nach Hause, schließen die Tür auf, machen das Licht an, stellen die Tasche ab und hängen den Mantel auf. Ein junger Mann ist schon am kochen, es dampft unter dem Dunstabzug, da schließt seine Freundin die Tür auf und kommt die Treppe nach oben. Auf dem Heimweg vom Büro hat sie noch schnell im Laden um die Ecke Salat und eine Flasche Wein gekauft. Familien sitzen zusammen beim Abendessen und die Kinder erzählten aus der Schule, danach verschwinden sie im Kinderzimmer und die Eltern können nach einem anstrengenden Tag einmal durchatmen während sie das Geschirr in die Spülmaschine einräumen. Eine Frau läuft mit zwei großen Shoppingtüten die Straße entlang, in den neuen hohen Stiefeln kommt ihr der letzte Hügel bis zur Haustür länger vor als sonst. Eine junge Familie sitzt in einem noblen Restaurant, die Großeltern sind zu Besuch, gerade wird die Käseplatte und die Antipasti vom Kellner im Anzug serviert. Vor einem Hotel steigt eine noble ältere Dame aus dem Taxi, der Pförtner nimmt ihr lächelnd die Koffer ab. Männer in Anzügen kommen aus ihren Büros, atmen die Feierabendluft ein und machen sie auf den Weg in ihre warmen Wohnungen. Zwei Freundinnen treffen sich nach der Arbeit auf ein Glas Wein und tauschen sich über den neusten Klatsch und Tratsch aus. Ein verliebtes Paar kommt um die Ecke und läuft Hand in Hand zur Ubahn Station. All diese Szenen laufen so an mir vorbei, untermalt mit Musik, während ich mit dem Kopf an der Autoscheibe lehne und in den Himmel schaue und mir wünsche, dass diese Fahrt noch ewig dauert.

Ein Paar Stunden später sitzen wir im Flugzeug. Es ist unser längster Flug bisher. Wir landen zuerst in Hong Kong, dann in Singapur und irgendwann auf Bali. Einen kompletten Tag haben wir quasi übersprungen, bzw. im Flugzeug und an Flughäfen verbracht. Im schönen Bali erwartet uns dann zum ersten Mal asiatische Kultur und somit grüne Reisfelder, freundliche Menschen, gutes Essen und verrückter Verkehr… 🙂

2 thoughts on “USA – vier Tage in L.A. und San Francisco”

  1. Schöne Bilderstrecke aus diesen doch so verschiedenen Traumstädten!

    Und deine wunderbar beschriebenen Filmszenen, liebe Janika, haben problemlos ein ganzes Kopfkino in mir ausgelöst.

    Das sind Momente, die eigentlich nie zu Ende gehen dürften….

    Gespannt auf eure (hoffentlich) noch folgenden Berichte
    Steffen

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